Die Sängerin Jennifer Grout (undatierte Aufnahme). Die Musikerin aus Boston könnte bald als erste Nicht-Araberin den TV-Musikwettbewerb «Arabs got Talent» gewinnen.

Viele Menschen weltweit rümpfen über Casting- und Talentshows die Nase. Manche geraten wegen menschenverachtender Kommentare von Juroren über junge Menschen in die Kritik, andere werden schlicht als verblödend oder sozialschädlich abgetan.

Auf der anderen Seite tragen sie manchmal auch zur Völkerverständigung bei. In Israel gewann etwa der Deutsche Tom Franz einen Kochwettbewerb, der zusammen von einer marokkanischen Jüdin und einer arabischen Muslima präsentiert wurde. Und auch in Beirut überrascht und begeistert derzeit eine Castingshowteilnehmerin das Publikum mit ungewöhnlichen Auftritten.

Eine arabische Pianistin, die Mozart spielt, findet niemand ungewöhnlich. Doch eine US-Künstlerin, die aussieht wie eine Cheerleaderin und dabei arabische Lieder so singt wie die großen Stars aus Kairo und Beirut, das hat es noch nie gegeben.

Klassische Musik in Beirut studiert

Deshalb war auch nicht nur die Jury der Talentshow „Arabs got Talent“ völlig aus dem Häuschen, als sich Jennifer Grout (23) aus Boston vor einigen Tagen mit Interpretationen arabischer Evergreens für das Finale des TV-Wettbewerbs am kommenden Wochenende qualifizierte. Auch das Publikum ist schlicht begeistert von der Performance der blonden Amerikanerin, die klassisches arabisches Liedgut mit einer solchen Inbrunst präsentiert, als hätte nie etwas anderes getan.

Dabei spricht sie kaum Arabisch. Selbst als sie in der Show auf Arabisch nach ihrem Namen gefragt wurde, antwortete sie nicht. Dabei hat sie zumindest einige Zeit in Beirut gelebt, wo sie Klassische Arabische Musik studierte. Als junges Mädchen erzählte sie einmal stolz, sie habe schon zusammen mit Wael Kfoury, einem libanesischen Pop-Star und Schönling, getrommelt. Die Texte der Lieder, die sie heute singt, lernt Grout nach eigener Aussage schlicht auswendig, nicht anders als eine britische Sopranistin, die eine Verdi-Arie singen soll.

„Ich bezweifle, dass sie aus Amerika kommt, sie ist in Wirklichkeit aus Schubra (einem Stadtteil von Kairo)“, witzelte der ägyptische Schauspieler Ahmed Helmi während der Sendung, die der Sender MBC in Beirut aufzeichnet. Seine Jury-Kollegin, die libanesische Sängerin Nadschwa Karam, konstatierte schlicht: „Sie ist ein Star.“

Finale am Sonntag auch mit Kopftuch tragender Rapperin

Musikalisch hat sich Grout, die aus einer Musikerfamilie stammt und ihre Liebe zur arabischen Musik schon als Teenager entdeckt hatte, für ihre bisherigen Auftritt keine leichte Kost ausgesucht. Zuerst präsentierte sie „Fern von dir“, einen Klassiker der 1975 gestorbenen stimmgewaltigen ägyptischen Sängerin Um Kalthoum. Danach entschied sie sich für „Oh Vögel“ von Asmahan, ein extrem schwieriges Stück, in dem die Sängerin Vogelstimmen imitiert.

Welchen Song Grout am kommenden Samstag bei der Endausscheidung von „Arabs got Talent“ zum Besten geben wird, ist noch nicht bekannt. Sie muss dann gegen elf weitere Talente aus verschiedenen Bereichen antreten. Als Sängerin hatte während der aktuellen Staffel der Sendung auch eine 18-jährige Ägypterin für Furore gesorgt. Majam Mahmud konnte der Amerikanerin zwar stimmlich nicht das Wasser reichen. Doch die junge Frau, die inzwischen ausgeschieden ist, singt nicht nur mit Wut im Bauch über Feminismus und politische Unterdrückung. Sie ist auch die erste arabische Rapperin, die mit Kopftuch im Fernsehen auftritt. (dpa/dtj)