Die Jesiden in Deutschland warnen vor Doppelmoral in der Kurdenfrage und fordern ein beherzteres Vorgehen der Türkei gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es gehe nicht um Kurden oder Jesiden, „hier wird der Weltfrieden verteidigt“, sagte der Vorsitzende des Jesiden-Zentralrats, Telim Tolan, am Montag im SWR.

Heute vor genau einem Jahr hatte das Schicksal der Jesiden im Irak, die vor dem IS-Terror in das Sindschar-Gebirge geflohen waren, Schlagzeilen gemacht. Die IS-Terroristen betrachten die Jesiden als Ungläubige und schmähen sie als „Teufelsanbeter“, es gibt zahlreiche Berichte von Hinrichtungen, Vergewaltigungen und der Versklavung von Jesiden. Noch schlimmeres konnte nur verhindert werden, weil die kurz zuvor gegründete Miliz HPS (Hêza Parastina Şingal, Verteidigungskraft Şingal) die Flucht eines großen Teils der jesidischen Bevölkerung deckte und diese vor IS-Angriffen schützte. Gründer und Oberkommandeur der HPS ist Heydar Şeşo, ein Gärtner aus Bad Oeynhausen jesidischer Abstammung. Er entschloss sich im Sommer 2014, in den Irak zu reisen, um das Mausoleum Şerfedin, eine der heiligen Pilgerstätten der Jesiden, vor dem IS-Terror zu beschützen. Mehr als 10 000 Angehörige der Religionsgemeinschaft sitzen immer noch im Sindschar-Gebirge fest.

Tolan beklagte einen Mangel an politischem Willen zur IS-Bekämpfung. Die Terrormiliz „IS, das sind vielleicht 40 000 bis 50 000 Verbrecher“, sagt er. „Diese Barbaren kennen nur (…) die Sprache der Gewalt.“ Nötig seien Luftangriffe und die Bewaffnung der Kurden. Zudem müsse man der Türkei klar machen, dass sie „jetzt endlich“ den IS mit bekämpfe.

Die Türkei hatte vor etwa zehn Tagen IS-Stellungen bombardiert, konzentriert sich seitdem aber mehr auf den Kampf gegen die PKK. (dpa/dtj)