Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD, l) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geben sich am 05.06.2017 vor ihrem Treffen in Ankara (Türkei) die Hand. Foto: Uncredited/Pool Presidential Press Service/dpa

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat Außenminister Sigmar Gabriel vorgeworfen, zu wenig für die Freilassung der in der Türkei inhaftierten Journalisten zu tun. «Herr Gabriel sollte den Druck, der offenbar den Terrorvorwurf gegen die Wirtschaft aus der Welt geschafft hat, in mindestens der gleichen Stärke zugunsten unserer Kollegen entfalten», sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall am Dienstag.

Gabriel hatte es zuvor in einem Interview als Erfolg einer härteren Gangart der Bundesregierung gegen die Türkeigewertet, dass eine vermeintliche Terrorliste mit 680 deutschen Unternehmen wie Daimler und BASF zurückgezogen worden sei. «Wirtschaftlicher Druck wirkt», sagte Gabriel dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

«Und was ist mit den unschuldig einsitzenden Journalisten? Wann wird das Unrecht, das ihnen widerfährt fallen gelassen?»

«Und was ist mit den unschuldig einsitzenden Journalisten? Wann wird das Unrecht, das ihnen widerfährt fallen gelassen?», fragte der DJV-Vorsitzende. Mit Deniz Yücel und Mesale Tolu Corlu sind auch zwei deutsche Journalisten nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei wegen Terrorverdachts inhaftiert worden. Insgesamt sitzen unterschiedlichen Schätzungen zufolge zwischen 50 und mehr als 160 Journalisten in türkischen Gefängnissen.

Die Bundesregierung hatte mehrfach eindringlich die Freilassung Yücels und Tolus gefordert – ohne Erfolg. Als Reaktion auf die Verhaftung des Menschenrechtlers Peter Steudtner hatte das Auswärtige Amt Mitte Juli seine Reisehinweise für die Türkei verschärft. Zugleich warnte Gabriel deutsche Unternehmen vor Investitionen in dem Land. Die Rücknahme der Liste angeblich terrorverdächtiger deutscher Unternehmen wertete der Außenminister als Reaktion auf diese Schritte.

dpa/dtj

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