Der Terroranschläge auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“und einen jüdischen Supermarkt in Paris Anfang Januar hat die Menschen in Angst versetzt. Christen, Juden und Muslime sind gemeinsam in den europäischen Städten auf die Straßen gegangen und haben gegen den Terror demonstriert – ihre Botschaft war dabei ganz klar: „Wir lassen keinen Keil zwischen uns treiben!“

London: Jüdische Organisation hilft Muslimen

Auch in Großbritannien haben zehntausende Menschen auf den Straßen gegen den Terror demonstriert und sich mit den Opfern solidarisch gezeigt. Im Stadtteil von London wollen jetzt muslimische und jüdische Geistliche enger im Kampf gegen den Extremismus zusammenarbeiten und sich gegenseitig beschützen. Mitglieder von „Shomrim“, eine jüdische Organisation, wollen dabei helfen, Angriffe auf Moscheen zu verhindern.

„Wir haben unsere Aufmerksamkeit auf die Moscheen gerichtet. Wenn wir irgendetwas Verdächtiges sehen, werden wir die Nummernschilder aufschreiben, es der Polizei und anderen Sicherheitsbehörden melden und hoffen, dass es nichts Schlimmeres sein wird“, sagte Chaim Hochhauser dem Nachrichtensender Al Jazeera. Shomrim ist gut organisiert und die Polizei arbeitet eng mit ihr zusammen. „Die jüdische Gemeinschaft ist sehr aufmerksam, und benachrichtigt sehr schnell Shomrim“, bestätigt Matthew Horne von der Polizei in London dem Nachrichtensender.

Politiker begrüßen jüdisch-muslimsche Kooperation

Unterstützung bekommen beide Seiten auch von der Politik. Ian Sharer vom Stadtrat hat die muslimischen und jüdischen Gemeindeführer bereits im Juni zusammengebracht. Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen hat hier offenbar eine lange Tradition. „Die Menschen gehen hier Seite an Seite in die Moschee oder Synagoge“, so Sharer zu Al Jazeera.

Die Muslime sind froh über die Unterstützung durch ihre jüdischen Nachbarn. Man lebe hier Seite an Seite und teile die selben Probleme, bestätigt Munaf Zeena, vom „North London Muslim Community Centre“.

Angst von Muslimen nicht unberechtigt

Die Angst der Muslime und die Hilfe der jüdischen Gemeinde ist auch nicht unberechtigt. In der Vergangenheit konnte die Polizei etwa eine Steigerung von Gewalttaten gegen Muslime verzeichnen. Zudem ist die fremdenfeindliche „English Defence League“ immer noch eine starke Partei. Sie will offenbar weiterhin islamfeindliches Gedankengut verbreiten.