Die jüdisch-türkische Philosophin Seyla Benhabib hat Forderungen nach einem Burka-Verbot als „rein symbolische Debatte“ zurückgewiesen. Es gehe meist nicht um die Burka, „sondern um die Kriminalisierung und Marginalisierung muslimischer Frauen“, sagte sie dem „Süddeutsche Zeitung Magazin“ am Freitag. Ursprünglich sei das Kopftuch ein Mittel der Emanzipation gewesen, da es jungen Mädchen etwa den Schulbesuch ermöglicht habe.

Persönlich finde sie die Burka „als Frau und Feministin sehr schwierig“, fügte die Professorin der US-Universität Yale hinzu. „Aber damit muss ich leben, denn solche Kleidungsstücke sind in unseren Gesellschaften durch die Religionsfreiheit geschützt – so lange sie nicht die Rechte anderer Menschen beeinträchtigen.“

Im Hinblick auf die Flüchtlingssituation warnte Benhabib vor „dem Rückfall in verbohrten Nationalismus“. Es sei „widerlich“, wie bestimmte Denkmuster wieder auftauchten. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass in Europa gerade ein schlechter Zweiter Weltkriegs-Film gedreht wird“, sagte sie. Beispiele seien der Vorschlag von EU-Ratspräsident Donald Tusk, Flüchtlinge zur Identitätsprüfung 18 Monate lang in Lagern festzuhalten, oder wasserfeste Nummern, die Flüchtlingen in Tschechien auf die Arme geschrieben bekamen.

Bei Migrationsbewegungen gehe es indes nie nur um Zahlen, sondern „immer auch um tief liegende Identitätsfragen“, so Benhabib weiter. So könnten Menschen verstärkte Zuwanderung als Bedrohung empfinden. Ihre Aufgabe als Wissenschaftlerin sehe sie auch darin, dieser Krisenstimmung entgegenzuwirken. (kna/ dtj)