In Kabul sind bei einem Selbstmordanschlag auf ein Nato-Fahrzeug in Kabul zwei Menschen, darunter ein türkischer Soldat betötet worden. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Türkische Soldaten untersuchen am Donnerstag den Anschlagsort.
In Kabul sind bei einem Selbstmordanschlag auf ein Nato-Fahrzeug in Kabul zwei Menschen, darunter ein türkischer Soldat betötet worden. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Ministerpräsident Davutoğlu nannte den Anschlag ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Bei einem Selbstmordanschlag auf den höchsten zivilen Nato-Vertreter in Afghanistan ist ein türkischer Soldat getötet worden. Der türkische Nato-Repräsentant Ismail Aramaz sei zum Zeitpunkt der Explosion am Donnerstagmorgen in Kabul nicht in seinem Auto gewesen, sagte ein Nato-Diplomat, der ungenannt bleiben wollte. Nach Angaben der Polizei starben bei der Detonation nahe der türkischen Botschaft außer dem Soldaten, der Aramaz‘ persönlicher Fahrer und Leibwächter war, auch ein Passant und der Attentäter. Ein zweiter türkischer Leibwächter sei verletzt worden. Bei dem getöteten Soldaten handelt es sich um den 38 jährigen Infanterie-Wachtmeister (Piyade Uzman Çavuş) Adem Şengül aus Samsun.

Der Nato-Diplomat sagte, Aramaz wohne in der türkischen Botschaft. Das Auto habe ihn abholen und zu seinen Büroräumen im Hauptquartier der nahe gelegenen Nato-Ausbildungsmission Resolute Support bringen sollen. Der Anschlag ereignete sich in einem stark gesicherten Gebiet der Innenstadt. In der Umgebung liegen auch die iranische und die französische Botschaft sowie mehrere Ministerien.

Ein Augenzeuge namens Dschuma sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Attentäter sei mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit auf das schwarze Nato-Fahrzeug zugefahren, das Aufkleber mit der türkischen Flagge getragen habe. „Direkt danach ist das Auto explodiert.“ Die Taliban bekannten sich zu der Tat und teilten mit, Ziel sei „ein Konvoi der ausländischen Besatzer“ gewesen.

Wut über Selbstmordanschlag: „Wir fordern, dass die Täter bestraft werden“

Der stellvertretende afghanische Innenminister Ayoub Salanghi bestätigte den Anschlag: „Ein Konvoi der türkischen Botschaft wurde zum Ziel eines Selbstmordanschlages.“ Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu verurteilte den Anschlag und bezeichnete ihn als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. „Wir fordern, dass die Täter bestraft werden“, sagte er am Donnerstag in Ankara. „Die Türkei wird immer mit Entschlossenheit solchen Angriffen entgegentreten und wird auch weiterhin ihr bestes für die Stabilität in Afghanistan geben. Die Rolle der Türkei als ‚Schützerin des Friedens’ in Afghanistan wird immer weitergehen.“

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu äußerte sich in Bezug auf den Anschlag in Kabul: „Die Türkei wird weiterhin in Afghanistan (im Einsatz) sein und weiterhin der afghanischen Bevölkerung helfen. Die Türkei hat das Management des Internationalen Flughafens in Kabul übernommen und wird das auch weiterhin tun.“

Die Nato hatte ihren Kampfeinsatz in Afghanistan mit Ablauf des vergangenen Jahres beendet. Die Nachfolgemission Resolute Support – an der sich Deutschland mit bis zu 850 Soldaten beteiligt – hat das Ziel, afghanische Sicherheitskräfte auszubilden. Einen Kampfauftrag haben die Soldaten nicht. Militärisch wird die Mission von US-General John Campbell geführt.

Türkei seit langem in Afghanistan engagiert

Die Türkei ist seit langem am Hindukusch engagiert und unterstützt die afghanische Regierung auf verschiedenen Ebenen, so etwa durch Militärhilfe oder durch Bau- und Entwicklungsprojekte. Auch die Türkei ist an der Resolute Support-Mission beteiligt. Der türkische Brigadegeneral Şafak Gök ist der Resolute Support-Kommandeur in Kabul.

Die Regierung von Präsident Aschraf Ghani hatte sich zuletzt optimistisch geäußert, dass es bald zu Verhandlungen mit den Taliban kommen könnte. Die Taliban haben bisher nur bestätigt, dass sie eine Delegation für mögliche Gespräche ins Golf-Emirat Katar entsandt haben. Noch im Jahr 2013 war die Türkei als möglicher Austragungsort für Friedensverhandlungen mit den Taliban genannt worden. (dpa/dtj)