Lamya Kaddor mit Norbert Lammert

Essen gehört bis dato offenbar zu jenen Städten, die von „Djihad-Touristen“ verschont geblieben sind. Zumindest weiß dies der AWO-Experte Thomas Rüth zu berichten. Anders als jener Kurs „Islamkunde in deutscher Sprache“, der von der bekannten Islampädagogin Lamya Kaddor geleitet wird und aus dem sich bereits fünf junge Menschen zur Unterstützung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ nach Syrien verabschiedet haben sollen.

Dennoch war Kaddor, die sich nach eigenen Angaben für ein „liberales“ Islamverständnis einsetzt und Mitorganisatorin des durch die Konrad-Adenauer-Stiftung geförderten „Muslimischen Forum Deutschlands“ ist, eine der gefragtesten Referentinnen im Rahmen einer Infoveranstaltung letzte Woche in der Essener Weststadthalle, an der knapp 250 Personen, darunter Lehrer, Sozialarbeiter und Polizisten teilnahmen.

Fünfmaliges Gebet ist Säule des Islam

Lamya Kaddor referierte unter anderem über die Gründe, die sie als maßgeblich hinsichtlich der Entscheidung junger Menschen betrachtet, sich den Extremisten anzuschließen. „Die meisten ziehen aus Rebellion nach Syrien“, so Kaddor nach einem Bericht der WAZ. Und: „Sie finden den Salafismus so attraktiv, weil er Orientierung, Gemeinschaftsgefühl und Lebenssinn zu bieten scheint.“

Soweit nichts wirklich Neues. Für Empörung innerhalb der muslimischen Gemeinde sorgte jedoch die Antwort, die Lamya Kaddor auf die Frage „Woran erkenne ich, dass sich mein Kind radikalisiert?“ gibt, die eine Polizeibeamtin namens besorgter Mütter an sie gerichtet hatte. Kaddor antwortete darauf: „Zum Beispiel wenn sie nicht mehr in die Disko rennen, sondern plötzlich fünf Mal am Tag beten.“

Nun haben, wie Untersuchungen zeigen, nicht wenige spätere „Djihadisten“ zuvor eine sehr lange Diskogeher-Karriere hinter sich, während das fünfmalige tägliche Gebet nicht nur eine durchaus übliche Praktik unter Mainstream-Muslimen ist, sondern sogar eine der fünf Säulen des Islam.

Lamya Kaddor rudert auf Facebook zurück

Auf ihrer Facebookseite ruderte Kaddor denn auch prompt zurück. „Es geht nicht darum, dass das bloße Gebet oder das Nicht-mehr-in-die Disko-gehen schon Anzeichen sein können, sich zu radikalisieren. Es geht viel eher darum, dass normale Gewohnheiten in ein gegensätzliches Extrem binnen kürzester Zeit verkehrt werden. Und selbst dann muss man sich den Einzelfall anschauen.“

Die Kritik aus der Gemeinde blieb trotzdem scharf. „Ohne ein Problem verstanden zu haben, kann man es nicht lösen“, reagierte etwa Bekir Yılmaz, der Präsident der Türkischen Gemeinde zu Berlin. „Diese Witzfiguren des ‚liberal-islamischen Verbundes‘ haben nichts aber gar nichts verstanden…“