Türkei-Besuch: Bundespräsident Gauck trat am Samstag seinen Besuch in der Türkei an. In Kahramanmaraş besucht er syrische Flüchtlinge und deutsche Soldaten.

Bundespräsident Joachim Gauck ist am Sonntag im Süden der Türkei mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen zusammengetroffen. Gauck informierte sich in einem Flüchtlingslager am Rande der Stadt Kahramanmaraş über die Lage der rund 16 000 Menschen, die dort untergebracht sind. Der Bundespräsident fragte syrische Kinder nach ihrem Schicksal und sprach auch mit Vertretern von Hilfsorganisationen.

Die Kinder begrüßten die Besucher mit Tanz und gespielten Szenen aus ihrem Alltagsleben. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt besucht Gauck auch Soldaten der Bundeswehr, die dort im Grenzgebiet mit Patriot-Raketen den Luftraum sichern.

Gauck war am Samstag in die Türkei gereist. Der offizielle Staatsbesuch beginnt am Montag in Ankara, wo Gauck mit Staatspräsident Abdullah Gül und Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan zusammentrifft. Am Dienstag eröffnet er in Istanbul eine deutsch-türkische Universität.

Deutsche Politiker nutzen Türkei-Besuch für Erdoğan-Kritik

Auf seiner Reise will der Bundespräsident die engen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei würdigen, aber auch Defizite bei Demokratie und Rechtstaatlichkeit sowie beim Schutz religiöser Minderheiten, die seiner Ansicht nach in der Türkei existieren, ansprechen.

Unterdessen sprachen Politiker von CDU und CSU sprachen sich dafür aus, die seit Jahren auf der Stelle tretenden EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht fortzusetzen. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstag): „Die Erdoğan-Türkei bewegt sich außerhalb des europäischen Demokratieverständnisses.“ CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte der Zeitung: „Eine Türkei, in der Freiheit und Pluralität bekämpft und entscheidende Werte Europas missachtet werden, gehört nicht in die Europäische Union.“

Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sieht die Beitrittschancen der Türkei gesunken. Sie sei dabei, „sich deutlich von der EU zu entfernen“, sagte er dem „Darmstädter Echo“ (Samstag) mit Blick auf die Politik Erdoğans. „Das wird die weiteren Beitrittsverhandlungen zweifellos erschweren.“ (dpa/dtj)