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„Kanı bozuk“: Erdoğan erklärt sich

Nach der Völkermordresolution des Bundestags hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan den Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir erneut scharf angegriffen. Er warf Özdemir vor, „charakterlos“ zu sein, ohne den Grünen-Chef beim Namen zu nennen. In einer Ansprache vor Dorfvorstehern am Mittwochabend in Ankara umschrieb der Staatschef den türkischstämmigen Özdemir als „den Mann, der in Deutschland sein eigenes Land des Völkermordes beschuldigt und bei so einer Entscheidung die führende Rolle spielt“.

Erdoğan fügte hinzu: „Ich frage, was ist er, wenn nicht charakterlos?“ Özdemir gehörte zu den Initiatoren der Bundestagsresolution zu den Massakern an den Armeniern im Osmanischen Reich.

Erdoğan verwendete wie schon zuvor einen Begriff („kanı bozuk“), der sowohl als „charakterlos“ als auch als „verdorbenes Blut“ übersetzt werden kann. Der Präsident betonte am Mittwochabend, er habe den Begriff nicht in seiner biologischen Variante und vor allem nicht rassistisch verwendet. „In unserer Kultur bezieht sich der Begriff ‚kanı bozuk‘ auf den Charakter.“

Allerdings hatte Erdoğan am Sonntag, drei Tage nach der Abstimmung im Bundestag, Blutproben jener türkisch-deutschen Abgeordneten gefordert, die für die Resolution gestimmt hatten. „Ihr Blut muss durch einen Labortest untersucht werden“, forderte er und stellte damit ihre türkische Herkunft in Frage. Die Forderung hatte in Deutschland heftige Kritik ausgelöst. Bundestagspräsident Norbert Lammert bezog dazu am Donnerstag noch einmal klar Position.

Das Verhältnis von Erdoğan und Özdemir ist schon lange zerrüttet. Bereits vor zwei Jahren hatte es einen heftigen Schlagabtausch zwischen beiden Politikern gegeben. Damals hatte Erdoğan Özdemir als „sogenannten Türken“ bezeichnet.

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