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Wirtschaft

Das Karriereverhalten von Frauen folgt eigenen Regeln

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Es wird Zeit, dass sich Unternehmen besser auf Karrierevorstellungen von Frauen einstellen. Kein modernes Unternehmen kann sich Forderungen nach mehr Geschlechtergerechtigkeit verschließen oder gar auf gut qualifizierte Frauen verzichten. (Foto: dpa)

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Katja Kalsberger zeichnet am 03.11.2013 in Essen (Nordrhein-Westfalen) auf der Messe Mode, Heim, Handwerk auf einer Wand eine Linie mit Beistift und Wasserwaage - dpa
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Beide Geschlechter wollen eigentlich das Gleiche erreichen im Berufsleben: Mehr Gehalt, mehr Macht, mehr Einfluss. Die Entwicklungswünsche beider Geschlechter sind sich im Kern nicht unterschiedlich, doch Frauen gehen mit dem Karriere-Begriff anders um und denken viel lieber in abwägenden Schritten als der männliche Konkurrent. Für den Mann gibt es da häufig nur einen klaren roten Faden, dabei lässt er alles Übrige gerne rechts und links liegen.

Karriereorientierte Frauen sind in den allermeisten Fällen nicht sehr unternehmensfixiert. Zudem greifen zwei besondere Filter im Berufsleben einer Frau: Wenn es um die Karriere im Management geht, dann stehen die Frauen sehr schnell ganz alleine unter den vielen männlichen Konkurrenten da. Eine weibliche Rückendeckung gibt es in den Führungspositionen nicht. Darüber hinaus empfindet eine Frau in Spitzenposition eines Unternehmens die von Männern entgegengebrachte zweischneidige Aufmerksamkeit als unangenehme Belastung. Für einen Mann stellt eine weibliche Konkurrentin zudem eine weit größere Bedrohung dar als ein gewöhnlicher männlicher Konkurrent.

Männer leben mehr oder weniger im Einklang mit ihren Kollegen. Die althergebrachten und bekannten männlichen Strukturen erscheinen vertrauensweckender und selbstverständlicher für den karriereorientierten Mann.

Zweitens sind Frauen mehr als Männer auch in der Familie als fürsorgliche Mutter gefordert. Deswegen suchen Frauen eher Wege, um Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren. In ihren Vorstellungen von Arbeit schließen sie die Familie mit ein. Solch ein Anspruch ist aber nur schwer mit einer bedingungslosen Hingabe an das Unternehmen, welche in der Regel die Prämisse für eine viel versprechende Karriere ist, zu vereinbaren.

Symbolische Besetzungen mit Vorzeigefrauen genügen nicht

Um die Karrierehemmnisse bei Frauen zu egalisieren, reichen von oben verordnete Quoten einfach nicht aus. „Die Unternehmen müssen näher an das Leben der Menschen“, betont PD Dr. Andreas Boes, Projektleiter und Vorstandsmitglied des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF München). Die Karrierewelt ist nach wie vor männlich dominiert und zugeschnitten auf Menschen ohne Familien- und Sorgeverpflichtungen. Sie stellt einer Frau keine adäquaten Rahmenbedingungen zur Entfaltung dar. „An diesen Rahmenbedingungen scheitern noch immer viele gut qualifizierte und motivierte Frauen“, sagt Anja Bultemeier, Politologin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Experten sehen in den neuesten Entwicklungen aber auch ein historisches Fenster für karrierewillige Frauen. Grundlegende gesellschaftliche Veränderungen und ein tiefgreifender Wandel in den Unternehmen generieren neue Chancen zur Aufhebung der Geschlechterungleichheiten in den Unternehmen. Auch wird ein allmähliches Umdenken bei deutschen Unternehmen sichtbar.

Entscheidend für eine nachhaltige Öffnung der Karrierechancen für Frauen muss eine strukturelle Veränderung in den Unternehmen selbst sein. Sie müssen sich von der symbolhaften Beförderung einiger weniger Vorzeigefrauen in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen verabschieden. Unternehmen sollten die Karriereförderung von Frauen als Bestandteil eines grundlegenden Veränderungsprozesses begreifen, der jetzt aktiv und nachhaltig gestaltet werden muss.