Innenansicht der Mezquita von Cordoba. Die ehemalige Moschee wird seit der Reconquista als Museum und Kathedrale genutzt.
Die andalusische Regionalregierung wirft der katholischen Kirche eine Tilgung der muslimischen Vergangenheit der einstigen Moschee und heutigen Kathedrale von Cordoba vor.

Die andalusische Regionalregierung wirft der Kirche eine Tilgung der muslimischen Vergangenheit aus den Broschüren und Informationsschildern der einstigen Moschee und heutigen Kathedrale von Cordoba vor. Andalusiens Tourismusminister Rafael Rodriguez sprach laut spanischen Medienberichten vom Freitag von einem „fundamentalistischen Verhalten“ der Kirche, die ihren religiösen Glauben über die Geschichte und den gesunden Menschenverstand stelle.

Kommende Woche wolle die Regionalregierung dem Bischof von Cordoba ihre Sorge darüber bekunden, dass die Diözese die Bezeichnung „Moschee“ aus den offiziellen Informationsbroschüren entfernt habe, kündigte der Minister an. Das Gebäude sei als Kathedralen-Moschee zu Weltruhm gekommen und gerade als Symbol der Eintracht zwischen verschiedenen Religionen 1984 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. „Den Moschee-Begriff zu streichen, ist unfassbar und schadet dem Tourismus“, so Rodriguez.

Er äußerte sich nach einem Treffen mit Vertretern der Petitionsplattform Change.org, auf der sich fast 100.000 Personen dafür aussprachen, der katholischen Kirche die Aufsicht über das Gotteshaus im südspanischen Cordoba zu entziehen und sie unter staatliche Kontrolle zu stellen. Unter dem Motto „Kathedralen-Moschee von Cordoba: Das Erbe aller“ startete eine Gruppe von Geschichtsprofessoren, Juristen und Journalisten bereits Ende 2013 die Petitionsinitiative, um eine „juristische, wirtschaftliche und symbolische Vereinnahmung“ seitens der Kirche zu stoppen.

Vorwürfe gegen Bischof von Cordoba

Die Gruppe wirft dem Bischof von Cordoba, Demetrio Fernandez Gonzalez, vor, nach und nach die muslimischen Symbole aus der Kathedrale entfernen zu lassen. Die Regionalregierung prüft seit einiger Zeit die Forderungen der Petitionsinitiative und die rechtlichen Ansprüche auf eine staatliche Kontrolle des Gebäudes.

Das im Jahr 784, bald nach der islamischen Eroberung Andalusiens, begonnene Bauwerk gehört mit rund 23.000 Quadratmetern zu den größten Sakralbauten der Welt und wurde von den muslimischen Emiren und Kalifen von Cordoba errichtet, die bis ins Hochmittelalter über große Teile Spaniens herrschten. Nach der Rückeroberung Spaniens durch die katholischen Könige 1492 wurde die Hauptmoschee des Kalifenreichs in eine katholische Kirche umgewandelt. Ihre Moschee-Struktur blieb erhalten, während einige christliche Bauelemente ergänzt wurden. (KNA/dtj)