Katzenjammer in Ägypten

Kairo – In Ägypten streikt etwa ein Viertel der Polizei. Die Beamten fühlen sich als Sündenböcke für das politische Chaos, das derzeit am Nil herrscht. Bei gewalttätigen Demonstrationen waren zuletzt auch mehrere Polizisten getötet worden. Für Freitagnachmittag waren erneut Proteste von Regierungsgegnern in Alexandria und Kairo geplant.

Die Zeitung „Al-Masry Al-Youm“ berichtete am Freitag, der Streik der Polizisten habe inzwischen 13 Provinzen erfasst. Auch vor dem Haus von Präsident Mohammed Mursi in Kairo zogen die Polizisten ab. Sie wurden jedoch sofort von anderen Sicherheitskräften ersetzt. In der Nacht kam es zu Ausschreitungen in der Arbeiterstadt Al-Mahalla.

Die Wahlkommission hatte am Donnerstag die ursprünglich für April geplante Parlamentswahl abgesagt, weil das Verfassungsgericht noch nicht über das Wahlgesetz entschieden hat. Einige Gegner der regierenden Muslimbruderschaft hoffen, dass die Armee eingreifen wird, um für Ordnung auf den Straßen zu sorgen. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich hatten Revolutionsaktivisten nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 monatelang unter dem Slogan „Nieder mit der Herrschaft des Militärs“ protestiert. (dpa/dtj)