Ein Polizeifahrzeug steht am 14.01.2015 vor einem Plattenbau an der Johannes-Paul-Thilman-Straße im Stadtteil Dresden-Leubnitz-Neuostra. Ein 20 Jahre alter Eritreer, der tot im Hof gefunden wurde, ist getötet worden, wie Medien unter Berufung auf den Polizeipräsidenten berichten.

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (54, Grüne) hat Strafanzeige gegen die Dresdner Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft gestellt. Das berichtet „MOPO24“.

Grund dafür ist das Verhalten der Ermittler im Todesfall des Asylbewerbers Khaled I. Der 20-Jährige war am Dienstag in Dresden tot aufgefunden worden.

Die Obduktion habe ergeben, dass der junge Mann aus Eritrea an mehreren Messerstichen in Hals und Brust starb, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, am Mittwoch. Die Behörde ermittelt wegen Totschlags. Täter, Hintergründe und Umstände des Geschehens seien noch unbekannt, auch die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Die Mordkommission wurde personell aufgestockt und konzentriert sich auf die Befragung der Mitbewohner des Mannes.

Unfall oder Selbstmord erst am Mittwoch ausgeschlossen

Einen Unfall oder Selbstmord hatten die Ermittler erst am Mittwoch ausgeschlossen. „Unsere Ermittlungsrichtung ist ein Tötungsdelikt“, sagte Polizeipräsident Dieter Kroll der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die Obduktion etwas anderes ergibt, wäre mir das lieber als alles andere“, fügte Kroll hinzu. Die Behörden hatten zunächst mitgeteilt, dass es für Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte gebe. Noch am Morgen danach erklärte ein Sprecher, dass alles möglich sei – von Unfall bis Mord.

Hier setzt auch Beck, seines Zeichens innenpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, mit seiner Anzeige an. Er sagte am Donnerstagmittag gegenüber MOPO24: „Die Ermittlungspannen rund um den Tod des Asylbewerber Khaled Idris Bahray müssen rückhaltlos aufgeklärt werden. Heute habe ich deshalb Strafanzeige gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt gestellt. Mit fehlt jedes Verständnis für das nachlässige Vorgehen der Ermittlungsbehörden.“

„Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können“

Vor dem Albertinum, wo Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zum Neujahrsempfang geladen hatte, demonstrierten am Nachmittag gut 100 Menschen. Darunter waren mehrere Afrikaner. Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bot ihnen ein Gespräch an. „Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können.“

Aus dem Landtag kamen Forderungen nach umfassender Aufklärung des Falls. Dabei müsse auch ein mögliches rassistisches Motiv geprüft werden, sagte die Abgeordnete Juliane Nagel (Linke). Albrecht Pallas (SPD) mahnte zur Besonnenheit: „Spekulationen – in welche Richtung auch immer – helfen nicht weiter.“ Valentin Lippmann (Grüne) warnte „in der aufgeheizten Atmosphäre“ vor Vorverurteilungen: „Ergebnisse der Ermittlungen müssen abgewartet werden.“ Am Montag fand in Dresden erneut eine Demonstration der Pegida-Bewegung statt. (dpa/dtj)