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Hakan Abi, erzähl mal, wie ist Killa Hakan zum Rap gekommen?

Durch Bülent Ipek, Mitte der neunziger Jahre bin ich zu Islamic Force gestoßen.

Bülent Ipek ist dein Freund und Vorbild, das verstorben ist!?

Genau. 2000 ist Bob E von uns gegangen. Das waren die Anfangsjahre und ich war quasi sein Schüler, der neben ihm saß und lernte. Er war die Person, die alles zum Rollen brachte mit Islamic Force. Er hat mich entdeckt. Er war derjenige, der den Hip Hop nach Berlin brachte.

Du machst schon verdammt lange Rap. Du gehörst eigentlich zu der ersten Generation Deutschlands, die mit dem Rap angefangen hat. Wo holst du deine Inspiration für deine Texte her?

Durch alltägliche Dinge des Lebens. Sieh mal, beispielsweise der alte Mann grad eben, der uns auf die Nerven ging, bevor wir angefangen haben zu reden. Das sind zum Beispiel alltägliche Dinge des Lebens, worüber du schreibst und Rap machst. Es sind manchmal diese scheinbar unwichtigen Sachen, die dich inspirieren und dir die nötigen Ideen geben.

Jeder Mensch hat eine Lebensphilosophie. Ich habe eine, der Onkel hat eine, der Nachbar von nebenan. Wie lautet deine Lebensphilosophie?

Nach all den harten Jahren wirst du zu einem Menschen mit Prinzipien. Ich lebe 24 Stunden durch. Ich lebe heute und könnte morgen schon tot sein. Meine Lebensphilosophie ist es, aufrichtig und ehrlich zu sein, gut zu leben und in Ruhe leben zu lassen. Erzähl keine Lügen, beklaue niemanden, sei menschlich zu deinen Mitmenschen, behandle jeden so, wie du behandelt werden möchtest. Alles kann sich von heute auf morgen verändern. Und ich verspreche dir, du wirst mit dieser Denkweise ein gutes Leben führen. Alles Negative ist dein Untergang. Die Weltanschauung ändert sich auch im Laufe des Lebens. Ich hätte dir mit 25, mit 30 oder 35 vollkommen unterschiedliche Antworten gegeben. Weißt du, die Älteren erzählen immer, was richtig ist, aber wir haben damals nie zuhören wollen. Erst wenn du älter wirst, fängst du auch an, sie zu verstehen. Ihre Worte müssen sich junge Leute zu Herzen nehmen.

Angenommen, du hättest die Möglichkeit, den 7,2 Milliarden Menschen auf diesem Planeten ein paar Sätze zu sagen, welche wären das?

…Die Frage ist gut. Auch wenn sie unrealistisch ist. Sieh dich um. In meiner Welt macht es wenig Sinn, sich solche Fragen zu stellen. Es wäre etwas Fake. Ich führe ein einfaches und lockeres Leben. Aber ich glaube ich würde mir wie viele Menschen wünschen, den Scharlatanismus und die Kriege, die dadurch entstehen, die so viele Menschenleben kosten, aufrufen, endlich Frieden zu schaffen, damit nie wieder Krieg entsteht.

Was kann man sich sonst wünschen!

Genau, was kann man sich sonst wünschen. Bei so viel unerträglichem Leid wünsche ich mir jeden Tag, dass in Syrien, in Irak und Afghanistan endlich Frieden entsteht. Guck dir Irak an. Das Land hat so viel durchgemacht. Ich wünsche mir nichts mehr als Frieden in dieser Welt. Das ist mein größter Wunsch!

Ich habe vor kurzem mit einer deutschen Freundin darüber diskutiert, ob Deutschland ein rassistisches Land ist. Es gab unterschiedliche Meinungen. Du bist in Berlin geboren, bist hier aufgewachsen und hast viel erlebt. Was meinst du, ist Deutschland ein rassistisches Land, und wenn ja, was können wir dagegen tun?

Ich finde, Deutschland ist ein schönes Land. Keine Ahnung Alter, aber nach 40 Jahren entwickelst du eine Art Sympathie für diese Menschen. Irgendwo kann ich die auch gut verstehen. Nicht diese NSU-Idioten und so. Aber es gibt auch andere Menschen. die kritisieren, aber keine Rassisten sind. Viele von uns sind richtig dickköpfig. Wollen nicht mit uns reden lassen, ein Streit nach dem anderen.

Wenn es um die türkische Politik geht, sehe ich das immer wieder. Beste Freunde, und sogar Familienangehörige reden nicht miteinander, nur weil sie nicht einer Meinung sind. Sind diese Leute bescheuert, was stimmt mit nicht ihnen?

Bestes Beispiel Bruder, da siehst du mal, wie Streitsüchtig unsere Leute sind. Nur weil sie unterschiedliche politische Meinungen haben, gehen sie sich an den Kragen. Siehst du Moruk, dass bestätigt meine These. Wir Türken haben eine sehr eigenartige Mentalität. Deutschland ist die Mitte Europas. Da ist es klar, dass es hin und wieder Ärger gibt. Hier leben mehr Linksextremisten als Rechtsextremisten. Ich liebe die Türkei, ich fliege jedes Jahr dahin, habe eine ganz besondere Beziehung dahin. Aber letzten Endes ist Deutschland unser Heimatland. Ich fühl mich eigentlich sehr wohl in diesem Land. Das deutsche Volk ist in vielen Dingen auch sehr vorbildlich.

Unser Blogger Emre hat Killa Hakan besucht.

Wie ist es mit der Familie?

Familie?

Ja, Familie.

Familie ist alles im Leben. Es ist das Wichtigste im Leben. Nichts geht über die Familie. Meine Eltern haben sehr viel für mich getan. Ich liebe sie über alles. Vater bedeutet Gerechtigkeit und Mutter bedeutet Liebe. Sie arbeiten heute noch. Gleich da. Nicht weit von hier.

Was macht dich glücklich im Leben? Ich meine, wenn du einen schlechten Tag hattest oder es im Leben nicht so läuft, wie du es dir vorstellst, was machst du dann, um das Beste rauszuholen?

Ich kenn das. In meinem Freundschaftskreis gibt es auch Menschen, die es nicht schaffen, sich aufzurappeln. Man muss positiv denken, das Leben ist eine Reise, es macht nicht viel Sinn, an der Vergangenheit zu hängen und sich selber depressiv zu machen.

Letzte Frage: Ich habe irgendwie das Gefühl, dass der Hip Hop nicht mehr das ist, was er mal war. Ich meine den Rap von Dr.Dre, Snoop Dogg oder Tupac in den Neunzigern beispielsweise. Die Rapper passen sich irgendwie den Zeiten an. Sie machen nur noch das, was Geld bringt.

Das stimmt. Die meisten machen nur noch die Art von Musik, die Geld bringt. Aber es gibt noch wahren authentischen Rap. So etwas wird niemals aussterben. Es darf und kann nicht aussterben. Das ist eine Phase, die kommt und geht. Es gibt nur noch wenige Rapper, die wahren Hip Hop machen. Die Ära des wahren Hip Hop wird wieder zurückkehren. Das ist nur eine Frage der Zeit!

Hakan Abi, ich bedanke mich mit ganzem Herzen!

Und ich bedanke mich, Kardeş!

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Zur Person: Killa Hakan (mit bürgerlichem Namen Hakan Durmuş) wurde 1973 in Berlin geboren und ist ein deutsch-türkischer Rapper. Seine Kindheit verbrachte er in Kreuzberg. In den Achtziger Jahren kam er ins Gefängnis und begann dort, seine Texte zu schreiben. Seit 2000 etwa arbeitet er als Solokünstler.