Seit Tagen toben heftige Kämpfe zwischen der Terrormiliz IS und kurdischen Kämpfern in der syrischen Stadt Kobani. Offenbar steht die Ortschaft nahe der türkischen Grenze kurz davor, durch den IS eingenommen zu werden. Die Türkei will nicht eingreifen. Organisationen, die der terroristischen PKK nahe stehen, hatten deswegen zu landesweiten Protesten aufgerufen. Bei den Ausschreitungen hat es in der vergangenen Nacht deswegen mindestens zwölf Tote gegeben – acht davon alleine in Diyarbakır im Südosten der Republik. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, haben die Behörden in der Nacht in sechs Provinzen Ausgangssperren verhängt.

Innenminister Efkan Ala warnte die Anhänger der PKK. „Gewalt führt zu heftigerer Gegengewalt. Die Straßen müssen sofort geräumt werden. Ansonsten kann es zu unvorhergesehenen Konsequenzen führen“, so Ala.

Derzeit bekommen die kurdischen Kämpfer Unterstützung von der US-Luftwaffe. Trotz Gegenwehr kurdischer Kämpfer und zahlreicher Luftschläge von amerikanischen Kampfjets konnte der IS am Dienstag weiter in Richtung der strategisch wichtigen Stadt Kobani vorrücken. In einigen Medienberichten heißt es gar, dass sie Teile der Stadt bereits unter Kontrolle gebracht habe.

Westen fordert Eingreifen durch Türkei – Davutoğlu stellt Bedingungen

Die USA und andere westliche Staaten fordern ein militärisches Eingreifen der Türkei. „So sollte sich ein Nato-Verbündeter nicht verhalten, während einen Steinwurf von seiner Grenze entfernt die Hölle los ist“, sagte ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter der „New York Times“ am Dienstagabend.

Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu stellt Bedingungen für ein Eingreifen in Syrien. Neben dem IS solle auch das Regime von Machthaber Assad Gegenstand einer Invasion sein. Das US-Außenministerium hingegen scheint das nicht zu wollen. „Das Ziel ist immer noch der IS. Wir werden zwar die Aufständischen weiterhin unterstützen, aber derzeit gibt es keine neue Situation“, sagte Jen Psaki, die Sprecherin des Außenministeriums.

Bei einem militärischen Eingreifen in Syrien durch Ankara fürchten viele Türken ein Überschwappen der Kämpfe auf eigenen Boden. Die Nachbarn teilen sich eine 900 Kilometer lange Grenze. Diese zu kontrollieren wäre kaum möglich. (dtj/dpa)