Nach dem Tod von Hasan Karakaya, Chefredakteur der islamistischen, aber regierungsnahen Hetzzeitung ’Yeni Akit’ hatte diese ein Kondolenzschreiben im Namen des türkischen Generalstabs veröffentlicht. In diesem drückte der Chef der Pressestelle des Generalstabs, Brigadegeneral Ertuğrul Gazi Özkürkçü, die Betroffenheit über den Tod von Hasan Karakaya aus und sagte, dieser habe „auch in schwierigsten Zeiten seine Stimme gegen die Ungerechtigkeit erhoben“ und sei „von seiner aufrechten Haltung niemals zurückgewichen.“

Diese Erklärung sorgte in der Türkei für Verwunderung, da Yeni Akit für seine islamistische, antisemitische und intolerante Haltung bekannt ist und der Generalstab bislang als das Bollwerk des Laizismus und säkularer Lebensweise in der Türkei galt. Würde der türkische Generalstab ein Kondolenzschreiben für jemanden verfassen, dessen Zeitung Mustafa Kemal Atatürk einen „Hurensohn“  genannt hat? Auf Nachfrage hin erklärte die Zeitung Yeni Akit später, dass die Formulierung, dass Hasan Karakaya von seiner „aufrechten Haltung niemals zurückgewichen“ sei so im Original nicht stand und diese Stelle beim Abtippen der Erklärung ’versehentlich’ hinzugefügt wurde. Nun stellte sich aber heraus: Auch das Original der Erklärung gibt es so nicht. Die ganze Erklärung wurde anscheinend ’versehentlich’ erfunden.

Yalçın Bayer von der Zeitung Hürriyet hat betreffs des Schreibens in der Pressestelle nachgefragt und eine Liste erhalten, in der die Kondolenzschreiben des türkischen Generalstabs aufgelistet sind. Bayer erhielt die Liste von dem besagten Brigadegeneral Özkürkçü. Darin finden sich Namen wie M. Ali Birand, Yaşar Kemal, Zeki Alasya, Erol Simavi, Cüneyt Arcayürek, Levent Kırca, Çetin Altan und Hasan Pulur. Nur: Der Name Hasan Karakaya kommt in der Liste nicht vor. Von Yeni Akit gibt es bisher keine Stellungnahme zu einem eventuellen Fälschungsvorwurf.

Hasan Karakaya war am 30. Dezember in Medina verstorben. Zu seiner Beerdigung waren neben Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und Premierminister Ahmet Davutoğlu viele Größen aus der türkischen Politik und Gesellschaft anwesend. Das ist dahingehend bemerkenswert, dass Yeni Akit, deren Vorgängerzeitung Anadolu’da Akit 2005 in Deutschland wegen Volksverhetzung verboten wurde, als das auffälligsten islamistische Hetzblatt der Türkei gilt.

Die Meldung der Yeni Akit zum vermeintlichen Kondolenzschreiben:

vermeintliches Kondolenzschreiben für Hasan Karakaya aus Yeni Akit