Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte heute in seiner Rede zur Lage der Nation ein härteres Vorgehen gegen die Türkei an. „Wer glaubt, dass es bei Wirtschaftssanktionen bleibt, der irrt sich“, soll er einer Meldung von Spiegel Online zufolge gesagt haben. „Das wird die Türkei noch bereuen.“ Was genau auf die Wirtschaftssanktionen noch folgen werde, ließ er indes offen. Laut dpa-Meldungen hat er sich auch persönlich abwertend über die türkische Regierung geäußert: „Vielleicht weiß nur Allah, warum sie das gemacht haben. Allah hat beschlossen, die regierende Clique in der Türkei zu bestrafen, und hat sie um den Verstand gebracht.“ Das türkische Volk sei fleißig, das Regime in Ankara aber „verräterisch“. Außerdem erneuerte er seine Vorwürfe, die türkische Regierung treibe Ölgeschäfte mit dem IS.

Der Streit zwischen Moskau und Ankara eskaliert, seit die Türkei in der vergangenen Woche ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abschoss. Russland verlangt eine Entschuldigung von der türkischen Regierung, die dies aber ablehnt. Seitdem werden rhetorisch immer größere Geschütze aufgefahren, aber auch immer schwerwiegendere politische Maßnahmen ergriffen. So kündigte Russland die Visafreiheit zwischen beiden Staaten auf und verhängte Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu wiederum hat die Anschuldigungen Moskaus gegen seine Regierung als „Lügen der sowjetischen Propagandamaschinerie“ bezeichnet. „Niemand schenkt den Lügen der sowjetischen Propagandamaschinerie Beachtung“, sagte Davutoğlu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu heute in Ankara. „Die sowjetischen Charaktereigenschaften Russlands, die von den Sowjets übriggeblieben sind und von denen wir dachten, sie hätten sie in den letzten 20 bis 25 Jahren nach dem Kalten Krieg vergessen, kommen nach und nach ans Tageslicht.“

Unter anderem beschuldigt die russische Regierung den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan, dass er und seine Familie in Ölgeschäfte mit dem IS verwickelt seien. Erdoğan kündigte an zurückzutreten, wenn Russland dafür Beweise vorlegt und bekommt dabei erneut Rückendeckung vom NATO-Partner USA. Die US-Armee hat die russischen Vorwürfe zurückgewiesen. „Das ist grotesk“, sagte der Sprecher der US-Armee im Irak, Steven Warren, am Mittwoch. „Wir weisen strikt jeden Gedanken daran zurück, dass die Türkei in irgendeiner Weise mit dem IS zusammenarbeitet.“ (dpa/dtj)