Auxerre

In der Stadt Auxerre bei Burgrund in Frankreich ereignete sich vergangene Woche in einer Grundschule ein Vorfall, der zu einer Diskussion über die Behandlung muslimischer Schüler führte. Es kam an die Öffentlichkeit, dass Schüler, die kein Schweinefleisch essen, in der Kantine eine Kette mit einem roten Kreis tragen mussten, um sie als Muslime zu kennzeichnen. Malika Ounes, Mitglied des Stadtrates von Auxerre, sieht darin eine Parallele zum Dritten Reich.

Am 24. September prangerte Malika Ounes in vollem Saal die Umsetzung der Grundschule Des Pieds Dalloues als „diskriminierend“ an. „Es ist absolut unglaublich. In der Kantine der Grundschule Des Pieds Dalloues in Auxerre müssen sich Schüler, die kein Schweinefleisch essen, eine Halskette mit einem großen roten Punkt umhängen. Kinder, die überhaupt kein Fleisch essen, eine mit einem großen gelben Punkt. Das ist empörend. Das erinnert einen an die dunklen Stunden der Nazi-Zeit“, erklärte Ounes dem Journal Creusot Infos empört. Während der Besatzung Frankreichs durch Hitler-Deutschland mussten jüdische Franzosen ebenso wie ihre Leidensgenossen im Dritten Reich einen gelben Davidstern tragen, um öffentlich als Juden erkennbar zu sein.

Ans Tageslicht kam der Vorfall durch eine muslimische Mutter, die die Halskette beim Einkaufen mit ihrer Tochter zufällig entdeckte. „Nach Schulschluss bin ich mit meiner Tochter einkaufen gegangen. Dort bemerkte ich die Kette und hakte nach. Meine Tochter erklärte mir, dass sie die Kette in der Kantine tragen müssen. Sofort wendete ich mich an Frau Malika Ounes, um dem ganzen Schwachsinn ein Ende zu setzen“, so die empörte Mutter.

Eine ungeschickt gewählte Initiative einiger Lehrer

Die Schule selbst sieht in der Umsetzung nichts Diskriminierendes. Schließlich gehe es nicht nur um muslimische, sondern auch um vegetarische Schüler. „Am Montagmorgen haben neue Lehrer dieses System angewandt. Sie wollten die Gefahr, muslimischen Schülern Schweinefleisch zu geben, ausschließen“, erklärte ein Lehrer aus der Schule der Zeitung Figaro gegenüber. „Es steckt absolut nichts Diskriminierendes dahinter. Es ist einfach eine ungeschickt gewählte Initiative der neuen Lehrer gewesen“, erläuterte er weiterhin.

Christian Sautier, der Pressesprecher der Stadt, äußerte sich wiederum folgendermaßen: „Von den insgesamt 1500 Schülern an der Schule waren nur 18 Schülerinnen und Schüler betroffen. Die Maßnahme hat auch nur eine Mahlzeit angehalten. Danach wurde sie wieder abgeschafft.“

Auch der Bürgermeister von Auxerre Guy Ferez meldete sich zu Wort: „Die älteren Schüler, die in der Lage sind Schweinefleisch zu erkennen, erhielten keine Ketten. Das war nur für die Kleinen gedacht, deren Eltern nicht wollten, dass ihre Kinder Schweinefleisch essen. In der Kantine bedient man sich nämlich selbst. Man wollte eine falsche Wahl ausschließen“, so Guy. Nichtsdestotrotz sehe auch er einen Fehler, der eine emotionale Betroffenheit hervorrief. Die Stigmatisierung einiger Schüler aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit streite er aber vehement ab.