Die dänische Polizei hat nach den Terroranschlägen von Kopenhagen zwei Männer festgenommen. Sie würden beschuldigt, dem Attentäter „mit Rat und Tat“ geholfen zu haben, berichteten die Ermittler am Montag.

Nur fünf Wochen nach den Attentaten von Paris hatte der Angreifer in Kopenhagen am Samstag zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Der mutmaßliche Attentäter wurde nach dramatischer Fahndung in einem Feuergefecht mit der Polizei erschossen. Angst vor Anschlägen gab es daraufhin auch in Deutschland. Ein Karnevalsumzug in Braunschweig wurde nach Hinweisen auf ein mögliches Attentat abgesagt.

In der dänischen Hauptstadt erschoss der Täter binnen zehn Stunden einen Filmemacher während einer Diskussion über Meinungsfreiheit und einen jüdischen Wachmann vor einer Synagoge. Fünf Polizisten wurden verletzt. Der erste Angriff galt vermutlich dem islamfeindlichen schwedischen Zeichner Lars Vilks, der sich durch Muhammad-Karikaturen einen Namen gemacht hatte.

Die Taten erinnerten an die Anschläge auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ am 7. Januar. Die Pariser Terrorakte könnten den mutmaßlichen Attentäter laut der dänischen Sicherheitsbehörde PET angeleitet haben. Der mutmaßliche Attentäter von Kopenhagen hat einem Medienbericht zufolge bei seinem zweiten Angriff Trunkenheit vorgetäuscht. Taumelnd wie ein Betrunkener habe er sich in der Nacht zum Sonntag der Synagoge in der Innenstadt genähert und einen 37 Jahre alten Wachmann getötet, berichtete die Tageszeitung „Politiken“ am Montag unter Berufung auf „mehrere Quellen“.

Attentäter von Kopenhagen bislang nur kriminell aufgefallen

Der mutmaßliche Attentäter in der Hauptstadt Kopenhagen war der Polizei unter anderem durch Gewaltdelikte und Verstöße gegen das Waffengesetz bekannt. Der 22-Jährige sei in Dänemark geboren und im Bandenmilieu aufgefallen, teilte die Polizei mit. Laut dem Fernsehsender tv2 hieß er Omar Abdel Hamid El-Hussein. Kopenhagen will am Montagabend der Opfer der Attentate gedenken.

Bei Durchsuchungen in einem Park und in der Wohnung des 22-Jährigen im Stadtteil Nørrebro fand die Polizei Kleidungsstücke und eine automatische Waffe, die der Täter beim ersten Anschlag auf ein Café benutzt haben könnte. Untersuchungen sollen das klären.

Als eine Spezialeinheit den Mann am frühen Sonntagmorgen bei seiner Wohnung antraf und tötete, sei er im Besitz zweier Pistolen gewesen. Die Zeitung „Ekstrabladet“ veröffentlichte ein Bild des 22-Jährigen. Es gebe keine Hinweise auf Komplizen oder einen Aufenthalt des Mannes in Syrien oder im Irak, sagte PET-Chef Jens Madsen.

Guter Schüler, später auf schiefe Bahn geraten

Der mutmaßliche Attentäter der Terroranschläge von Kopenhagen war seinem früheren Rektor zufolge ein guter Schüler. „Er war ein sehr fleißiger und begabter Schüler, der sich rein fachlich gut geschlagen hat“, sagte Peter Zinkernagel dem dänischen Fernsehen. Die ganze Schule sei schockiert darüber, dass ein früherer Schüler die beiden Terroranschläge am Wochenende begangen habe, bei denen zwei Menschen und der mutmaßliche Täter starben. Zinkernagel leitet das Zentrum für Erwachsenenbildung im Vorort Hvidovre, das der 22-Jährige vor den Angriffen besucht hatte. Nach Informationen des Senders war er aber nach einem Messerangriff in einer S-Bahn im November 2013 aus der Schule geworfen worden. In der Schule habe sich der junge Mann meist an seine muslimischen Klassenkameraden gehalten, erzählte ein ehemaliger Mitschüler dem dänischen Rundfunk.

In weiterer Folge ist der spätere Attentäter jedoch auf die schiefe Bahn geraten. Er war nach Informationen des dänischen Rundfunks erst vor wenigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden. Der 22-Jährige hatte laut „Danmarks Radio“ im November 2013 einen Messerangriff in einer S-Bahn verübt. Er soll dafür im Dezember 2014 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, aber im Januar dieses Jahres schon wieder entlassen worden sein, weil er so lange in Untersuchungshaft gesessen hatte. Die Polizei bestätigte die Informationen zunächst nicht.

Zeitungen mahnen zu Besonnenheit

Nach den Terroranschlägen in Frankreich und Dänemark mahnen die slowakische Tageszeitung „Sme“ und die ungarische „Magyar Nemzet“ am Montag zur Besonnenheit: „Natürlich ist es unerhört, dass islamische Extremisten in den Westen kommen und hier eine paranoide und illegale Fatwa (Rechtsauffassung) vollziehen“, heißt es in einem Kommentar von „Sme“. „Trotzdem sollten aber auch wir über nötige Grenzen der Meinungsfreiheit nachdenken. Bei aller Solidarität mit den Kämpfern für die Meinungsfreiheit sollten wir nicht vergessen, dass wir bei der Verbreitung unserer Werte nicht auf den Werten anderer herumtrampeln.“

„Magyar Nemzet“ macht am Montag religionsfeindliche Künstler wie den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks mitverantwortlich für die islamistischen Terroranschläge in Paris und Kopenhagen: „Vilks lebt davon, dass er immer provokantere Bilder zeichnet und Statuen errichtet, um vielleicht irgendwo Aufmerksamkeit zu erregen. Seine Rechnung ging auf, denn er kann sich nur noch mit Leibwächtern bewegen, zweimal versuchte man ihn schon umzubringen. Vilks hat keine Heimat, denn er ist ein kämpferischer Atheist. (…) In Deutschland wurde wegen einer Terrordrohung ein Karnevalsumzug abgesagt. Wegen Paris und Kopenhagen werden voraussichtlich alle jüdischen Schulen, Kindergärten, Vereinslokale, Synagogen, Läden, Restaurants und Cafés verstärkten Polizeischutz erhalten. Wenn an jeder Ecke ein Polizist steht, jedes Telefongespräch abgehört wird und für jeden Besuch eines anderen Stadtteils ein Reisepass nötig ist – können wir dann sagen, dass wir gesiegt haben?“ (dpa/dtj)