Ein Gericht in Jakarta hat den früheren indonesischen Religionsminister Suryadharma Ali zu sechs Jahren Haft wegen Korruption verurteilt. Die Richter sahen als erwiesen an, dass er eine zentrale Rolle bei Bestechung im Zusammenhang mit der Organisation des Haddsch, der jährlichen muslimischen Pilgerfahrt nach Mekka, spielte, wie die Tageszeitung „Jakarta Globe“ (Onlineausgabe Dienstag) berichtet. Zudem erhielt der 59-jährige Ex-Minister demnach umgerechnet rund 19.000 Euro Geldstrafe.

Die Staatsanwaltschaft hatte elf Jahre Haft, eine Millionen-Geldstrafe und fünf Jahre Verbot für die Übernahme von Regierungsposten gefordert. Das Religionsministerium gilt als eine der korruptesten Behörden in Indonesien.

Aufgrund des saudischen Quotensystems dürfen jährlich nur rund 190.000 Indonesier die Pilgerreise antreten. Pilger müssen sich in eine Liste eintragen und eine Anzahlung für die Reisekosten von umgerechnet rund 1.500 Euro leisten. Die Wartezeit beträgt zwischen
zehn und 20 Jahren. Mit mehr als 220 Millionen Muslimen ist Indonesien das bevölkerungsreichste muslimisch geprägte Land der Welt.

Suryadharma Ali war nach der Anklageerhebung durch die Antikorruptionsbehörde im Sommer 2014 zurückgetreten. Während seiner Amtszeit als Religionsminister zwischen 2009 und 2014 hatte die religiöse Intoleranz in Indonesien stark zugenommen. (dtj/kna)