In der Mitte die Tochter des usbekischen Präsidenten Islam Karimow.

Während bislang alle Skandale an der Präsidententochter abprallten, entwickelte sich der jüngste Geldwäsche-Skandal um Gulnara Karimowa als existenzieller Stolperstein für die Harvard-Absolventin. Das politische Erbe ihres Vaters Islam Karimow gilt als Langzeitziel der ambitionierten Tochter, daran ließ sie zuletzt keine Zweifel.

Es geht um Geldwäsche und Korruption in mehreren europäischen Staaten. Zuletzt hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft Mitte März Gulnara Karimowa angeklagt. Die Schweiz griff im Fall der ehemaligen Designerin überraschend hart durch und beschlagnahmte kurzerhand 800 Millionen Euro.

„Paris Hilton Usbekistans“

Gulnara Karimowa gehörte zum internationalen Jetset und galt als „Paris Hilton Usbekistans“. In besseren Zeiten inszenierte sie sich als Designerin, Dichterin und unter dem Künstlernamen „Googoosha“ als Pop-Sängerin. Mit dem französischen Schauspieler Gérard Depardieu verbindet sie eine langjährige Freundschaft.

Allerdings hatte sie sich in den vergangenen Jahren auch einen Namen als Botschafterin ihres Landes bei den Vereinten Nationen gemacht. Die 41-Jährige trat als Statthalterin ihres greisen Vaters auf und, so heißt es aus Diplomatenkreisen, galt als kompetente Ansprechpartnerin.

Durchsuchungen, Schläge und Hausarrest

Seit der Beschlagnahmung ihres Vermögens in der Schweiz ist sie entmachtet. Ihr Liebhaber Rustam Madumarow, ehemals Mitglied einer Boyband, wurde verhaftet. In ihrer Heimat hatten Spezialeinheiten ihr Privatanwesen und ihre Geschäftsräume durchsucht, Computer und Akten beschlagnahmt.

Diese Aktion deutete bereits daraufhin, dass Staatspräsident Islam Karimow sein Töchterchen fallen gelassen hatte. In Usbekistan tobt ein familieninterner Machtkampf. Dieser Vermutung entspricht, dass sich Gulnara seit Mitte März nicht mehr selbst zu Word meldete.

Nun steht fest: Die Präsidententochter wird gegen ihren Willen in Usbekistan festgehalten. Ein handgeschriebener Brief erreichte in den vergangenen Tagen den britischen Sender BBC. Offenbar hatte Gulnara Karimowa das Schreiben abgeschickt.

Der Brief ist ein Hilferuf. Darin heißt es, sie werde in ihrem eigenen Haus in der usbekischen Hauptstadt Tashkent von Sicherheitskräften gefangen gehalten. „Ich wurde geschlagen, mein Arm ist voller Narben“. Handschriftexperten halten das Schreiben für authentisch. Wie der Brief außer Landes geschmuggelt wurde, ist bislang unklar.

Eine lupenreine Diktatur

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die zentralasiatische Diktatur. Usbekistan gilt als verlässlicher Partner und gewährleistet der NATO den sicheren Zugang zum Nachbarstaat Afghanistan. Die Bundeswehr betreibt sogar einen Luftwaffenstützpunkt im südusbekischen Termes.

Auf der Suche nach Verbündeten und sicheren Versorgungsrouten nach Afghanistan war die Bundesregierung nicht wählerisch, gilt Usbekistan doch als lupenreine Diktatur. Islam Karimow herrscht seit 1989. Seine Machtbasis stammt noch aus Sowjetzeiten. Demokratische Wahlen gab es in Usbekistan noch nie.

Der zentralasiatische Staat ist eines der brutalsten Regime der Welt. Medien und Oppositionelle werden unterdrückt. Korruption und Misswirtschaft sind an der Tagesordnung, Folter ein alltägliches Mittel zum Zweck. 2005 ließ Islam Karimow einen Aufstand in der Stadt Andischan zusammenschießen. Mindestens 500 Menschen kamen dabei ums Leben, auf eine genaue Aufklärung der Umstände warten Menschenrechtler bis heute.

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