Zwischen Korruption und Wirtschaftswachstum gibt es einen direkten Zusammenhang, wenn man der Analyse von Prof. Ömer Yılmaz von der Atatürk-Universität in Erzurum Glauben schenkt. Demnach gibt es in Ländern, in denen es einen Anstieg der Korruption gibt, auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie einen Rückgang der Investitionen und des Wirtschaftswachstums. Yılmaz hat mit zwei weiteren Wissenschaftlern 15 Analysen zu dem Thema ausgewertet und seine Ergebnisse in der Zeitschrift des türkischen Rechnungshofs (Sayıştay dergisi) zusammengetragen.

Im Rahmen der Studie der Hong Kong Baptist-University wurden hierzu 54 Länder untersucht. Im Ergebnis kamen die Wissenschaftler zu der Annahme, dass ein Anstieg der Korruption von einem Prozent gleichzeitig einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,72 Prozent bedeutet.

Zusammenhang zwischen weniger Investition in Bildung und Korruption

Yılmaz und sein Team haben herausgefunden, dass eine Verlagerung der Investitionen aus dem Sozialbereich wie etwa Bildung, Gesundheit und Infrastruktur heraus ebenfalls das Wirtschaftswachstum in Staaten negativ beeinflussen kann. Die Korruptionsbekämpfung kostet Geld, so dass Investitionen reduziert werden müssen. Nebeneffekte wie Arbeitslosigkeit und Stagnation der Wirtschaft können dann die Folge sein. Was zunächst im öffentlichen Bereich anfängt, kann auch auf die Privatwirtschaft überschwappen und damit die Realwirtschaft im Ganzen beeinflussen. Die Situation kann sich verschlimmern, wenn die höheren Ausgaben durch Korruption mit Schulden finanziert werden. Die Folge sind dann steigende Zinsen. Ausländische Investoren ziehen ihr Kapital ab.

Es kommt zu einem Teufelskreis: Die Währung kann daran anschließend an Wert verlieren und es treten Probleme wie ein Haushaltsdefizit und Inflation auf. Korruption steigert die Kosten von Investitionen für die Privatwirtschaft, wodurch das Wirtschaftswachstum beeinflusst wird. Unternehmen können in dem jeweiligen Land ihre Investitionen zurückfahren und ihre Produktionen ins Ausland verlagern. Der Bericht geht davon aus, dass es zur Vermeidung von Korruption unter anderem nötig ist, Fehlverhalten in den Leitungspositionen ausfindig zu machen.

Korruption in der Türkei: Starker Anstieg zwischen 2009 und 2012

Als Beispiel zeigen die Wissenschaftler Staaten wie Dänemark, Neuseeland, Finnland und die USA. In diesen Ländern gäbe es im Vergleich weniger Korruption und die Wirtschaft sei stark. Dagegen sind Länder, in denen Korruptionsfälle häufiger vorkommen, wie etwa Afghanistan, Somalia oder Nigeria, wirtschaftlich schwächer.

Auch in der Türkei nimmt die Korruption zu, nimmt man zumindest die Zahl der Verurteilungen in diesem Zusammenhang als Maßstab. Wie nun Justizminister Bekir Bozdağ bekanntgab, gibt es bei der Zahl der Fälle, in denen es zu Verurteilungen kam, im Zeitraum 2009-12 einen Anstieg von 68 %. Im Dezember 2013 traten im Zusammenhang mit der sogenannten Korruptionsaffäre vier Minister von ihren Posten zurück.