Die türkische Regierungspartei AKP hat einen Bericht über die kriegerischen Auseinandersetzungen in den mehrheitlich kurdisch bewohnten Gebieten im Südosten der Türkei veröffentlicht. In ihm beziffert sie die Folgen der Kämpfe mit eigenen Zahlen, die von denen anderer Berichte abweichen.

Der „Bericht über den Kampf gegen den Terror und über die innere Sicherheit“ wurde unter dem Namen des stellvertretenden AKP-Vorsitzenden Mehmet Ali Şahin veröffentlicht und beruht auf den Ausführungen von Innenminister Efkan Ala und den Bewertungen und Erklärungen von Abgeordneten und Funktionären der AKP, die auf der Tagung der Partei in Afyon zwischen dem 8. und 10. Januar stattfand.

Innenminister Ala wird in dem Bericht mit den folgenden Äußerungen zitiert: „Das Terrorproblem der Türkei ist nicht unser Werk. Wir als AK Parti haben dieses Problem geerbt.“ Über die Operationen in der Region führt Ala aus: „In den Orten, wo die Auseinandersetzungen am intensivsten sind, wie Cizre, Silopi, Sur und Nusaybin leben 439.000 Bürger. 220.000 von ihnen sind von den Auseinandersetzungen betroffen, 93.000 Bürger sind weggezogen. Die Zahl der betroffenen Kleinhändler beträgt 10.300.“

Über die Zahl der getöteten PKK-Terroristen sowie über die Verluste der türkischen Seite lässt er verlauten: „529 Terroristen wurden unschädlich gemacht. Wir haben 22 Märtyrer zu beklagen, die Zahl der Verletzten beträgt 259. In Cizre betrug die Zahl der ausgehobenen Gräben 257. Mittlerweile sind nur noch 45 übrig. In Silopi betrug ihre Zahl 411, mittlerweile verbleiben nur noch 178. Bei 61 Bürgermeistern und Stadtverordneten wurde festgestellt, dass sie an diesen Aktivitäten teilnahmen. Sie wurden suspendiert, 23 von ihnen verhaftet“, zitiert ihn die türkische Zeitung Zaman. Die International Crisis Group, einer der international renommiertesten Think-Tanks im Bereich der Sicherheitspolitik, spricht von mindestens 243 getöteten türkischen Sicherheitskräften seit Juli. Die PKK bestätigte bisher 257 getötete Kämpfer.

Dramatische Ereignisse in Cizre: Verwundete in Keller eingeschlossen

Unterdessen geht ein Fall aus Cizre durch die internationalen Medien und die regierungskritischen Zeitungen der Türkei, der für Entsetzen sorgt. Im umkämpften Cizre ist eine Gruppe Verletzter seit dem 23. Januar im Keller eines Gebäudes eingeschlossen und wird seitdem durch die schweren Kämpfe vom Zugang zu medizinischer Versorgung abgehalten. Die Gruppe von rund 20 Menschen ist am Samstag in das Gebäude geflüchtet und hatte seitdem nur per Telefon Kontakt zur Außenwelt, zwölf von ihnen sollen schwer verletzt und vier mittlerweile verstorben sein. Die Verwundeten harren Seite an Seite mit den Toten in dem Kellerraum aus und wissen nicht, ob und wann Hilfe eintreffen wird. Das war der Stand des gestrigen Abends.

Zwar haben türkische Behörden einen Rettungseinsatz genehmigt, doch steht das Gebäude nach wie vor unter schwerem Beschuss. Faysal Sarıyıldız, Parlamentsabgeordneter der HDP, erhebt hingegen schwere Vorwürfe gegen die türkischen Sicherheitskräfte: Sie würden die Krankenwagen davon abhalten, zu dem Gebäude vorzudringen, und den Sanitätern drohen, sie zu erschießen, wenn sie sich ihren Anweisungen widersetzen. Dem widerspricht die türkische Regierung. Die Krankenwagen könnten nicht zu dem Gebäude vordringen, da sie durch Beschuss von PKK-Kämpfern daran gehindert würden, begründete Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu die Situation.