Der Deutsche Reiseverband (DRV) und der türkische Reisebüroverband Tüsab haben wegen geringer Anmeldungen gemeinsam beschlossen, die DRV-Jahrestagung im türkischen Kuşadası abzusagen und nach Berlin zu verlegen. Damit möglichst viele Mitglieder an der turnusmäßig anstehenden Vorstandswahl teilnähmen, solle der Kongress vom 27. bis 29. Oktober in der Bundeshauptstadt stattfinden, erklärte der DRV am Freitag. Nach den harschen Reaktionen der türkischen Regierung auf den Putschversuch Mitte Juli hatte es in der Branche Diskussionen über den Tagungsort gegeben.

„Wir bedauern es sehr, dass wir die Tagung nicht wie vorgesehen durchführen können, sind aber überzeugt, dass wir in 2018 einen deutlich größeren Zuspruch erreichen werden“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Dann soll das Branchentreffen in Kuşadası stattfinden. Für die Veranstaltung im kommenden Jahr sind dem Verband zufolge bereits einige andere Orte in der engeren Auswahl.

Nach Angaben des DRV nehmen im Schnitt an einer Jahrestagung 600 bis 800 Vertreter der Branche teil. Für das Treffen in der Türkei gab es danach zuletzt etwa 300 Anmeldungen. Fiebig betonte jedoch, dass die Absage der Veranstaltung nicht an etwaigen Problemen mit den türkischen Veranstaltern liegen: „Wir als Interessenvertretung der Branche als auch unsere Mitglieder pflegen einen langjährigen guten und konstruktiven Austausch mit unseren touristischen Partnern in der Türkei. Es gibt eine tiefe Verbundenheit und eine sehr ausgeprägte, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Türsab, den türkischen Hotelpartnern und touristischen Dienstleistern in der Türkei.“ Deshalb solle die nächste Klausurtagung des DRV-Vorstandes in der Türkei stattfinden.

Der DRV ist die führende Vertretung aller Reiseunternehmen in Deutschland und vertritt deren Interessen im In- und Ausland. Seine Mitgliedsunternehmen erwirtschaften rund 90% des Umsatzes der deutschen Tourismusbranche. Die türkische Tourismusindustrie steckt in diesem Jahr in einer Krise. Einem Bericht der Zeitung Özgür Düşünce zufolge waren allein bis Ende April rund 150.000 Beschäftigte entlassen worden. Die hohe Zahl an Terroranschlägen, die angespannte innenpolitische Lage und nicht zuletzt der Boykott Russlands nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im November 2015 haben zu einem erheblichen Einbruch der Besucherzahlen geführt. (dpa/ dtj)