KRM: Vorschnelle Äußerungen zu Brandursachen verunsichern Muslime

Der Brand in einem Kölner Mehrfamilienhaus mit zwei Toten gibt der Polizei weiter Rätsel auf. Um die Ursache für das Feuer zu klären, wollte ein Sachverständiger am Dienstag erstmals den Ort begutachten, an dem am Samstag ein 30 Jahre alter Mann und eine 19-jährige Frau ums Leben kamen. Erste Ergebnisse sollten noch am Nachmittag vorliegen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ob die Brandursache eindeutig geklärt werden könne, sei aber offen. In dem Haus wohnten auch viele Menschen mit türkischen Wurzeln.

Die Obduktion der beiden Toten habe ergeben, dass die Opfer bei dem Feuer ums Leben gekommen seien. „Es gibt keine Hinweise auf eine andere Todesursache als auf das Brandgeschehen zurückgehend“, sagte Oberstaatsanwalt Alfred Willwacher.

Der Brand war am Samstagabend in dem Haus im Kölner Stadtteil Höhenberg ausgebrochen, in dem rund 30 Menschen leben – unter ihnen viele türkischstämmige. Die beiden Todesopfer waren jedoch nicht türkischer Herkunft. Die Feuerwehr holte die Bewohner über Drehleitern heraus, gleichzeitig drangen zwei Trupps unter Atemschutz in den verqualmten Hausflur ein. Dort fand die Feuerwehr die zwei Leichen.

Verdächtiger Kinderwagen im Treppenhaus gefunden

26 Verletzte wurden in einem Rettungsbus von Notärzten untersucht und versorgt. 13 Menschen kamen in Krankenhäuser. Sie erlitten vor allem Rauchvergiftungen. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen wurde zunächst kein Brandbeschleuniger gefunden. Ob ein im Treppenhaus abgestellter Kinderwagen der Brandherd war oder die beiden Opfer selbst für das Feuer verantwortlich sind, wollte Willwacher nicht kommentieren.

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) rief die Ermittler auf, keine vorschnellen Äußerungen zur Brandursache zu machen. „Die muslimische Bevölkerung ist stark verunsichert“, sagte KRM-Sprecher Aiman Mazyek in Köln laut einer Mitteilung. „Deutsche Bürger mit türkischer Herkunft haben große Angst, weil in den letzten Wochen immer wieder türkische Wohnhäuser mit tödlichem Ausgang brannten oder Moscheen angegriffen wurden.“

Ein türkischer Regierungsvertreter hatte am Montag kritisiert, die Behörden würden einen fremdenfeindlichen Hintergrund zu schnell ausschließen. Dies wies der Oberstaatsanwalt entschieden zurück. „Eine entsprechende Erklärung haben wir nie verbreitet.“ Man ermittele ergebnisoffen in alle Richtungen.

Das türkische Außenministerium äußerte sich in einer schriftlichen Erklärung besorgt über den tödlichen Brand in dem Haus mit vielen türkischstämmigen Bewohnern. „Wir sind besorgt darüber, dass diese Brände in der vergangenen Zeit zunehmen“, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag das Ministerium. „Wir hoffen und glauben, dass die deutschen Behörden die Ursachen umgehend aufklären werden. Wir wünschen uns, dass es nicht wieder zu solchen Bränden kommt.“

Auch Brandursache von Backnang weiter unklar

Nach dem verheerenden Feuer im baden-württembergischen Backnang am 10. März mit acht Toten dauern die Ermittlungen zur Brandursache an. Bei dem Feuer waren eine aus der Türkei stammende 40 Jahre alte Frau und sieben ihrer zehn Kinder ums Leben gekommen. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag in Waiblingen mit. Das endgültige Ergebnis lasse noch auf sich warten. Einige Angehörige, die zur Beisetzung der Opfer in der Türkei waren, müssten noch vernommen werden. Bislang geht die Polizei von einem technischen Defekt als Brandursache aus. Das Haus ist unbewohnbar. (dpa/dtj)