Kuwait erlebt größte Demonstration seiner Geschichte

Kairo – Die Polizei ist am Sonntagabend im Golfstaat gewaltsam gegen Zehntausende Demonstranten vorgegangen, die gegen eine Wahlrechtsänderung protestierten. Das Innenministerium erklärte, die Protestierenden hätten die Ordnungskräfte mit Steinen beworfen. Die Polizei habe ihrerseits Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt, hieß es im arabischen Nachrichtensender „Al-Dschasira“. Es habe Festnahmen gegeben, berichtete die kuwaitische Nachrichtenagentur „Kuna“ unter Berufung auf das Ministerium. Zudem seien zahlreiche Demonstranten und auch elf Polizisten verletzt worden.

Die Organisatoren der Proteste sprachen von mehr als 100.000 Teilnehmern. Beobachter gingen hingegen von weit weniger Demonstranten aus. Bei „Al-Dschasira“ war dennoch von der größten Kundgebung, die Kuwait jemals erlebt habe, die Rede.

In Kuwait soll am 1. Dezember ein neues Parlament gewählt werden. Der Herrscher der Öl-Monarchie, Emir Sabah al-Ahmed al-Sabah, legte diesen Termin am Samstag fest. Der Emir hatte vor zwei Wochen die Volksvertretung aufgelöst, nachdem im Juni ein Gericht die Parlamentswahl vom Februar für ungültig erklärt hatte. Damit musste das von Islamisten dominierte Parlament abtreten, das alte, regierungsfreundliche Parlament von 2009 wurde wiedereingesetzt. In Kuwait haben die Volksvertreter kaum Macht. Dies hatte sich trotz gegenteiliger Ankündigungen seit der Befreiung des Scheichtums von der Besetzung durch den Irak unter Saddam Hussein im Jahre 1991 nicht geändert. Protestgruppen haben wiederholt für ein Ende der Monarchie demonstriert. (dpa)