Lage der syrischen Flüchtlinge verschlechtert sich zunehmend

Beirut – Ein Schlechtwettereinbruch im Nahen Osten hat die Lage der syrischen Flüchtlinge weiter verschlechtert. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingswerk UNHCR sind zur Zeit etwa 500 000 Syrer ins benachbarte Ausland geflohen. Im Land selbst seien 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen, bei denen tagtäglich Dutzende Menschen ums Leben kommen. Bei zuletzt starken Regenfällen sowie niedrigen Temperaturen wird eine deutliche Zunahme von Krankheiten befürchtet.

Die Bundesregierung will ihre Hilfen zur Versorgung der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern verstärken. Bei einem Kurzbesuch am Samstag im Libanon sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel zusätzlich knapp 15 Millionen Euro Unterstützung zu.

Im Libanon sind derzeit 160 000 Flüchtlinge aus Syrien gestrandet. Schätzungen gehen sogar von bis zu 200 000 Menschen aus, da sich nicht alle Flüchtlinge offiziell registriert haben. Besonders hart trifft es die palästinensischen Flüchtlinge in der Region. Die 500 000 in Syrien ansässigen palästinensischen Flüchtlinge der ersten Generation, die also schon eine Flucht hinter sich haben, werden von allen am Konflikt beteiligten Seiten instrumentalisiert. Sie leben in Ländern wie dem Libanon seit Jahrzehnten als Bürger zweiter Klasse in gesonderten Flüchtlingslagern.

Der Konflikt in Syrien geht bald ins dritte Jahr und vertreibt immer mehr Menschen

Für das kleine Nachbarland Syriens mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern bedeutet dies eine enorme Belastung. „Hier bedarf es der Unterstützung durch die Bundesregierung“, sagte Niebel in einem dpa-Gespräch. Die Flüchtlinge sollten möglichst heimatnah versorgt werden, damit sie nach Ende der Kämpfe schnell wieder zurück können.

Im kommenden Frühjahr geht der Aufstand in Syrien gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad bereits ins dritte Jahr. „Der Druck auf die Menschen in Syrien ist enorm groß, aus den Gefechtshandlungen herauszukommen“, sagte Niebel weiter. „Deswegen haben wir uns als Bundesregierung in Jordanien und jetzt auch im Libanon bereiterklärt, dazu beizutragen, dass die Grenzen auch in Zukunft offen bleiben.“

Die Bundesregierung hat bisher 75 Millionen Euro für Flüchtlinge außerhalb Syriens zur Verfügung gestellt und weitere 20 Millionen Euro in Form von humanitärer Hilfe für die Flüchtlinge im Land. Zu den Ländern, die syrische Flüchtlinge aufgenommen haben, gehören neben dem Libanon die Türkei, Jordanien, Ägypten und der Irak.

Das deutsche Geld fließt über internationale Organisation wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz oder das UN-Kinderhilfswerk Unicef. Unicef hat den größten Anteil der zusätzlichen 15 Millionen Euro bekommen – vor allem für seine Projekte mit Kindern.

Zum Winter verstärkten auch die SOS-Kinderdörfer ihre Nothilfe in den Bürgerkriegsregionen. „Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind in Syrien unzählige Familien auf der Flucht“, erklärte Vorstand Wilfried Vyslozil. „Vor allem die Kinder leiden schrecklich. Wir müssen jetzt handeln, um sie durch den Winter zu bringen.“

Zuletzt hatte es vor allen Dingen in jordanischen Flücltlingslagern immer wieder Demonstrationen gegen die unwürdigen Bedingungen, unter denen die Flüchtlinge leben müssen, gegeben. (dpa)