Die Ursache für die Kölner Gewaltvorfälle sieht die
Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor im Frauenbild vieler Männer aus
arabisch-muslimischen Herkunftsländern. Mit dem Islam als Religion
hätten die Übergriffe nicht viel zu tun, sagte Kaddor am Donnerstag
im ZDF-Morgenmagazin. Das zeige sich schon daran, dass viele der
Männer am Kölner Hauptbahnhof offensichtlich alkoholisiert gewesen
seien. „Es ist weniger ein streng religiösen Problem“, fügte die
Religionspädagogin hinzu. „Es ist eher ein kulturelles,
patriarchalisches Problem.“

Kaddor räumte zugleich ein, dass die patriarchalische Kultur
muslimischer Länder und das Verhalten der Männer sich möglicherweise
aus der Religion speise. Trotzdem dürfe man nicht alle muslimischen
Männer unter Generalverdacht stellen. „Das betrifft auch andere
Einwanderer und Männer in unserer Gesellschaft.“ Die
Religionspädagogin verwies darauf, dass der Koran für die Zeit seiner
Abfassung ein vergleichsweise positives Frauenbild vertrete. So seien
Frauen vor Gott gleich; sie hätten ein Recht auf Bildung, seien
erbberechtigt.

Die Islamwissenschaftlerin forderte von Politik und Gesellschaft in
Deutschland, Gegenkonzepte zu entwickeln. In Integrationskursen und
Moscheeunterricht müssten Werte wie Gleichberechtigung,
Selbstbestimmung und Persönlichkeitsrechte zum Thema gemacht werden.
Zugleich müsse der Staat deutlich machen, dass er ein Verhalten wie
in Köln nicht dulde. (kna/dtj)