Aus Anlass des Welttages des Wassers am 22. März warnt die Türkische Vereinigung der Landwirtschaftskammern (TZOB) vor der Gefahr von Dürren und damit einhergehender Wasserknappheit.

Die Türkei solle deshalb rechtzeitig Vorkehrungen treffen, um ihre Trinkwasserquellen zu schützen und Menschen dazu zu ermuntern, Wasser zu sparen, bevor die Reservoire austrocknen.

Geringe Regenmengen im Vorjahr hätten, so der Landwirtschaftsverband, dazu geführt, dass die Wasserreservoirs türkeiweit kritische Level erreicht hätten, die Anlass zu großer Sorge geben, sollte es zu einer längeren Dürreperiode kommen.

„Entgegen der landläufigen Annahme ist die Türkei kein wasserreiches Land“, heißt es in einer Erklärung des TZOB vom Sonntag. Die Vereinigung erklärte, dass globalen Standards zufolge Länder mit Wasservorräten von 1000 Kubikmetern oder weniger pro Kopf als wasserarm betrachtet würden, jene mit Vorräten zwischen 1000 und 2000 Kubikmetern pro Kopf als knappheitsgefährdet.

Dem türkischen Institut für Statistik (TurkStat) zufolge soll die Einwohnerzahl der Türkei bis 2030 die 100-Millionen-Marke erreichen. Die Menge der Wasservorräte pro Kopf würde aber unter gleichbleibenden Bedingungen auf 1120 Kubikmeter pro Kopf sinken. Nur Länder mit einem Wert von 8000 Kubikmetern oder mehr seien als wasserreich zu betrachten und darunter falle die Türkei definitiv nicht.

Wasserknappheit könnte bald dauerhaftes Schicksal sein

Auch einem Bericht des World Wide Fund for Nature (WWF) aus dem Vorjahr zufolge sei die Türkei kein wasserreiches Land, sondern verfügt lediglich über Pro-Kopf-Vorräte von 1430 Kubikmetern. Gleichzeitig würden die Wasservorräte im Land bis 2030 auf voller Kapazität genützt werden. Im gleichen Bericht heißt es, die Türkei werde ab 2050 unter einer unumkehrbaren Wasserknappheit leiden, sollte sie weiter in der gegebenen Intensität Wasserressourcen bewirtschaften.

Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich der Wasserbedarf in der Türkei fast verdoppelt, und in sogar noch höherem Ausmaß stieg der Wasserverbrauch in den Jahren zwischen 2000 und 2014. Mehr als 70 Prozent der türkischen Wasserressourcen wird der staatlichen Wasserwirtschaftsbehörde (DSİ) zufolge für landwirtschaftliche Zwecke genutzt, der Rest als Trinkwasser oder für häuslichen und industriellen Gebrauch.

Preisexplosion im Vorjahr

In der Erklärung der TZOB vom Sonntag hieß es weiter, die rapide Industrialisierung habe in verschiedenen Teilen der Türkei zur Kontaminierung von Wasserressourcen geführt, was sich negativ auf die Landwirtschaft und auch auf die Ernährungssicherheit ausgewirkt habe. Dürre bedroht vor allem die Wasserspeicher in den östlichen und südöstlichen Regionen, zumal in dieser Gegend auch zahlreiche Wasserkraftwerke arbeiten, die ihre Energie aus Dämmen beziehen, die um den Euphrat und Tigris gebaut wurden.

Der TZOB meint, die Regierung solle sich darauf konzentrieren, effektive und technologische Maßnahmen zur Bewässerung zu erarbeiten. Der Wassermangel habe auch ökonomische Folgekosten und bereite landwirtschaftlichen Produzenten Sorge. Bereits im Vorjahr habe Dürre der Nahrungsmittelversorgung einen Schlag versetzt und zu einem Preisanstieg geführt, der auch eine Folgewirkung hinsichtlich der Inflationsraten während der Folgemonate zeitigte.

Schon frühere Berichte hatten angedeutet, dass die Wasserverlustrate in der Türkei höher ist als in westlichen Industrieländern, die Millionen an Dollar ausgeben, um den Wasserverlust zu drosseln. In diesem Jahr hat sich die Situation verschärft und Istanbul hat seit Juni periodisch wiederkehrende Drosselungen der Wasserversorgung erleben müssen.