Taxi in New York (cihan)

Am Montag ärgerten sich weltweit Hunderte Millionen facebook-Nutzer über einen mehrere Stunden andauernden weltweiten Ausfall der Beitragserstellungs- und der „Like“-Funktionen des Sozialen Netzwerks.

Mittlerweile hat sich die Situation wieder beruhigt. Nun können die Nutzer wieder ihr Essen, ihre Haustiere, ihre politischen Kommentare zum Tag, interessante Artikel aus Zeitungen oder Fotos vom Familienausflug posten und teilen. Oder auch Texte, die in der Schnelllebigkeit unserer Zeit und ihrer Kommunikation oft unterzugehen drohen. Wie jener eines Taxifahrers aus New York, der uns eine Geschichte erzählt, wie wir sie sonst eher aus rührseligen amerikanischen Literaturverfilmungen oder Serien wie „X-Factor – Das Unfassbare“ kennen.

Der Taxifahrer schreibt: „Ich wurde zu einer Adresse bestellt, an der ich einen Fahrgast abholen sollte. Als ich angekommen war, hupte ich laut. Nach ein paar Minuten Wartezeit hupte ich erneut. Da es die letzte Fahrt meiner Schicht war, wollte ich bereits wegfahren, es dauerte mir einfach zu lange. Aber stattdessen parkte ich das Auto, ging zur Tür und klopfte.

„Nur eine Minute”, antwortete eine gebrechliche, ältere Stimme. Ich konnte hören, wie etwas mühsam über den Boden gezogen wird.

Nach einer langen Pause öffnete sich die Tür. Eine kleine Frau, die über 90 Jahre alt sein musste, stand vor mir. Sie trug ein Kleid und einen Hut mit einem Schleier, wie jemand aus einem 40er-Jahre-Film.

An ihrer Seite stand ein kleiner Koffer. Die Wohnung sah leer aus, als hätte dort seit Jahren niemand gelebt. Alle Möbel waren mit Tüchern bedeckt. Es gab keine Uhren an den Wänden, alle Schränke waren leer. Es gab nicht einmal Geschirr in der Küche. In die Ecke war ein Umzugskarton gefüllt mit Fotos und Glaswaren.

„Würden Sie meinen Koffer zum Auto tragen?”, bat sie mich. Ich legte den Koffer in den Kofferraum und kehrte dann zurück, um die Frau zu unterstützen. Sie nahm meinen Arm und wir gingen langsam zum Taxi. Sie dankte mir für meine Güte. „Kein Problem”, sagte ich ihr, „ich versuche Sie nur genauso zu behandeln, wie ich es wollen würde, dass meine Mutter auch behandelt wird.”

Eine Fahrt – ein Leben…

„Oh, du bist so ein guter Junge“, sagte sie. Als wir im Taxi saßen, gab sie mir eine Adresse und fragte: „Können sie mich durch die Innenstadt fahren?” – „Es ist nicht der kürzeste Weg”, antwortete ich schnell. – „Oh, das macht nichts”, sagte sie. „Ich habe es nicht eilig. Ich bin auf dem Weg zu einer Sterbeklinik.“

Ich schaute in den Rückspiegel. Ihre Augen glänzten. „Ich habe keine Familie“, fuhr sie mit weicher Stimme fort. „Der Arzt sagt, ich habe nicht mehr sehr lange.” Als ich das gehört habe, musste ich einfach den Taxameter abschalten: „Welche Route soll ich nehmen?”

Für die nächsten zwei Stunden fuhren wir durch die Stadt. Sie zeigte mir das Gebäude, wo sie einmal als Aufzugswärterin gearbeitet hatte. Wir fuhren durch das Viertel, wo sie und ihr Ehemann als Ehepaar lebten, an einem Möbellager vorbei, das einst ein Ballsaal gewesen war, wo sie als junges Mädchen tanzen ging. Manchmal bat sie mich, einem bestimmtem Gebäude oder einer Ecke langsam zu fahren. Sie starrte in die Dunkelheit und sagte nichts.

Als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont erschienen, sagte sie: “Ich bin müde. Es ist Zeit.“ Wir fuhren stillschweigend zu der Adresse, die sie mir gegeben hatte. Es war ein niedriges Gebäude, wie ein kleines Erholungsheim mit einer Einfahrt. Zwei Pflegekräfte kamen zum Taxi. Sie waren besorgt und beobachteten jede Bewegung. Sie müssen sie erwartet haben.

Ich öffnete den Kofferraum und nahm den kleinen Koffer und stellte ihn vor die Tür. Die Frau saß bereits im Rollstuhl. „Wie viel schulde ich Ihnen?” In dem Moment bat sie die Pflegekräfte, ihr ihren Geldbeutel zu reichen. „Nichts,” sagte ich. „Aber Sie müssen doch ihren Lebensunterhalt verdienen“ antwortete sie. „Es gibt auch andere Passagiere”, antwortete ich.

Ohne in dem Moment nachzudenken, beugte ich mich zu ihr und umarmte sie noch einmal herzlich. Sie drückte mich fest an sich heran. „Sie haben einer alten Frau einen kleinen Moment der Freude geschenkt”, sagte sie. „Danke.” Ich drückte ihre Hand und ging dann in Richtung Sonnenaufgang zum Taxi… Hinter mir schloss sich eine Tür. Dieses Geräusch kam mir vor wie das Abschließen eines Lebens.

Ich holte keine weiteren Passagiere mehr und fuhr ziellos in Gedanken versunken durch die Gegend. Für den Rest des Tages konnte ich kaum sprechen. Was wäre passiert, wenn ich mich geweigert hätte, diese Fahrt zu machen oder, nachdem ich gehupt habe, einfach weggefahren wäre? Rückblickend glaube ich nicht, dass ich je etwas Wichtigeres in meinem Leben getan habe.”

Es sind die kleinen Momente, die bleiben

facebook-User Helmut Bauer, der diese Geschichte eingestellt hat, schreibt dazu:  „Liebe Freunde, was wäre passiert, wenn die alte Dame einen unfreundlichen und ungeduldigen Fahrer bekommen hätte?

Diese Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass es auch wichtig ist, auf andere Menschen zuzugehen, um sich selbst ein Stück näher zu kommen. Wir glauben, dass unser Leben aus großen Dingen besteht. Dabei sind es meistens die kleinen, die wirklich wichtig sind. Wenn wir ab und zu mal unseren „Autopilot” abschalten würden und offen für Neues sind, dann können wir inspirierende Momente erleben, wie dieser Taxifahrer.

Also nimm Dir die Zeit für die kleinen Aufmerksamkeiten, Zeit für Menschlichkeit und Liebe. Denn am Ende sind es genau die Momente, die wirklich zählen!

Mit diesen Gedanken wünsche ich Euch eine besondere Zeit und wenn Du diese Geschichte nicht auf facebook teilst, wird auch nichts passieren. Wenn Du sie jedoch teilst, dann kannst Du auf diese Weise mithelfen, vielleicht anderen Menschen die Augen für das Wesentliche zu öffnen. Viele Menschen bemerken es viel zu spät, nur können sie dann die Zeit nicht mehr zurückdrehen.“