In der libanesischen Stadt Tripoli explodierten nach dem Freitagsgebet zwei Bomben vor Moscheen.

Es passierte, als die Gläubigen aus den Moscheen kamen: Zwei Explosionen erschütterten heute kurz nach dem islamischen Freitagsgebet die nordlibanesische Hafenstadt Tripoli. Augenzeugen und Sicherheitsbehörden sprachen von etlichen Opfern, der Nachrichtensender „al-Jazeera“ geht von bis zu 27 Toten und über 250 Verletzten aus. Die Bomben explodierten in einem zeitlichen Abstand von nur fünf Minuten.

Die erste Bombe detonierte ersten Berichten zufolge in der Nähe der „al-Taqwa-Moschee“ im Bezirk Abu Ali, als Gläubige aus dem Gotteshaus strömten. Die zweite Explosion ereignete sich außerhalb der „al-Salam-Moschee“ im zentral gelegenen Bezirk al-Mina. Über der Stadt war nach den Explosionen schwarzer Rauch zu sehen.

Vergangene Woche explodierte in einem von Schiiten bewohnten Stadtviertel in Südbeirut eine Autobombe und tötete über 20 Personen. Das Viertel gilt als Hochburg der schiitischen Hisbollah. Zu dem Anschlag bekannte sich eine der al-Qaida-Terrororganisation nahestehende Gruppe, die den Anschlag damit rechtfertigte, dass die Hisbollah in Syrien militärisch auf Seiten des Assad-Regimes gegen die hauptsächlich sunnitischen Rebellen kämpft.

Die Bevölkerung von Tripoli besteht zum Großteil aus Sunniten und gilt als Hochburg der Unterstützer der syrischen Opposition. Jedoch existiert in Tripoli auch eine bedeutende alawitische Bevölkerungsgruppe, die sich hauptsächlich im Viertel „Jabal Mohsen“ konzentriert und zu den Unterstützern des syrischen Regimes zählt. Immer wieder kommt es zu heftigen Gefechten zwischen sunnitischen und alawitischen Milizen, die sich in Tripoli einen verbissenen Häuserkampf liefern.

Die libanesische Armee ist seit Juli letzten Jahres in Tripoli dauerhaft entlang der Grenze zwischen dem alawitischen „Jabal Mohsen“ und den angrenzenden sunnitischen Stadtvierteln im Einsatz. Doch der jetzige Anschlag zeigt, dass auch die libanesischen Sicherheitskräfte nicht fähig – oder willig – sind, der zunehmenden Gewalt zwischen den Konfessionen in Libanon Einhalt zu gebieten.