Der entführte türkische Pilot Murat Akpinar mit seiner Familie nach der Landung auf dem Atatürk Flughafen in Istanbul am 19. Oktober 2013.

Nach zehn Wochen Geiselhaft sind zwei in der libanesischen Hauptstadt Beirut entführte türkische Piloten wieder in ihrer Heimat. Murat Akpınar und Murat Ağca wurden am Samstagabend am Flughafen in Istanbul von Angehörigen und von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan in Empfang genommen. Sie waren am 9. August auf dem Weg vom Flughafen zu einem Hotel in Beirut von einer militanten schiitischen Gruppe entführt worden.

Akpınar sagte türkischen Medienberichten zufolge, er und sein Kollege seien von den Entführern nicht misshandelt worden. Er danke den türkischen Behörden, die ihre Freilassung erwirkt hätten. Eine gewaltsame Befreiung hätte keine Chancen auf Erfolg gehabt, weil sie von mehr als 100 Leuten bewacht worden seien.

Die Freilassung der Piloten steht Berichten zufolge in Zusammenhang mit einem in Syrien ausgehandelten Geiseldeal. Die Geiselnehmer hatten die Freilassung von neun schiitischen Pilgern aus dem Libanon gefordert, die von Rebellen in Syrien festgehalten wurden. Die verschleppten Libanesen waren zunächst in die Türkei und dann zurück nach Beirut gebracht worden. Medienberichten zufolge gehörten die Entführer der beiden Piloten zur Familie einer der libanesischen Geiseln. Nachdem die Forderung erfüllt worden war, wurden auch die türkischen Geiseln freigelassen. Die neun schiitischen Pilger waren im Mai 2012 entführt worden, während sie auf ihrem Weg vom Iran über die Türkei und Syrien in den Libanon waren. Die syrische Rebellengruppe, die die schiitischen Pilger entführt hatte, forderte unter anderem die Freilassung von Dutzenden Frauen, die in staatlichen Gefängnissen in Syrien festgehalten werden.

Syrische Rebellen forderten erst Abzug der Hisbollah

Hoffnungsvolle Familien überfüllten den libanesischen Flughafen und warteten auf die Ankunft ihrer Geliebten. „Ich vermisse dich so sehr, wie der Himmel groß ist“, sagte ein junges Mädchen, das auf ihren Vater wartete, während sie mit einem lokalen libanesischen Fernsehsender sprach. Ihre Mutter stand schluchzend hinter ihr.

Die Einwohner des größtenteils schiitischen südlichen Außenbezirks in Beirut feuerten nach der Ankunft der freigelassenen Pilger Freudenschüsse in die Luft, wehten mit der libanesischen Nationalflagge und rezitierten Gedichte voller Vorfreude über das Wiedersehen mit ihren Geliebten. Innenminister Marwan Charbel sagte, dass die Pilger am Internationalen Flughafen in Beirut einfliegen sollten.

„Es ist eine Hochzeit für uns, eine große Feier“, sagte Charbel am Flughafen. Die Pilger wurden von syrischen Rebellen festgehalten, die zuerst forderten, dass die libanesisch-schiitische Partei Hisbollah ihr Mitwirken im syrischen Bürgerkrieg, der mittlerweile seit drei Jahren anhält, beende. Später schwächten sie ihre Forderungen ab, um die Freilassung jener Frauen zu bewirken, die von Sicherheitskräften gefangen genommen worden waren.

Assad erhält Unterstützung von Teilen der ethnischen und religiösen Minderheiten in Syrien, einschließlich großer Bevölkerungsteile der Christen und Alawiten. Die Rebellen hingegen werden von der sunnitisch-muslimischen Mehrheit in Syrien dominiert. Die libanesisch-schiitische Partei Hisbollah spielte in der Vergangenheit eine entscheidende Rolle im Kampf Assads gegen syrische Rebelleneinheiten, wohingegen streng sunnitische Kämpfer die Rebellen unterstützten.

Die Entführung der Pilger löste eine Reihe von Entführungen durch schiitische Clanmitglieder innerhalb des Libanons aus, einschließlich die Entführung der zwei türkischen Piloten. Die bewaffneten Kidnapper hofften, die Türkei unter Druck zu setzen, um bei der Entlassung der Pilger zu helfen.

Die Türkei soll enge Beziehung zu den meisten syrischen Rebellengruppen unterhalten. Die inhaftierten syrischen Frauen sollen im Rahmen der ausgehandelten Abmachung Medienberichten zufolge in den folgenden Tagen ebenfalls freigelassen werden.

Hoffnung auf stille Diplomatie

Libanesische, türkische und syrische Beamte lehnten es ab, genauere Details zu nennen. Der Deal schien größtenteils durch den Golfstaat Katar vermittelt worden zu sein, der die syrischen Rebellen in ihrem Kampf gegen Assads Regierung unterstützte. Palästinensische Beamte vermittelten ebenfalls.

Der Deal ist eine der wichtigsten Vereinbarungen der letzten Zeit und macht Hoffnung, perspektivisch aus dem Bürgerkrieg in Syrien herauszukommen, in dem die einander bekriegenden Seiten es weiterhin ablehnen, sich auf Friedensgespräche zu einigen. Aber es wurde erreicht, dass die Kriegsparteien – und ihre regionalen Unterstützer – offener waren, miteinander zu verhandeln, als bisher im Laufe des Konflikts. Die libanesischen Pilger durchquerten letzten Freitag die Türkei.

In Syrien geht hingegen die Gewalt weiter. Am Samstag griffen syrische Rebellen den Kontrollpunkt in einem hauptsächlich von Regierungsanhängern bewohnten Stadtviertel in Damaskus an. Aktivisten aus Syrien berichteten, dass eine Autobombe mehr als 30 Menschen in den Tod riss, darunter auch 16 Soldaten der Regierung.

Die Rebellen der Jabhat al-Nusra oder Nusra Front, die Al Qaida angehören, ließen die Bombe detonieren, als sie den Kontrollpunkt in der Nähe von der Stadt Mleiha angriffen. Die Stadt liegt neben dem Vorort Jarmana, so der britische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien. Die Organisation berichtete von schweren Kämpfen nach der Explosion.

Die staatliche Nachrichtenagentur SANA teilte mit, dass bei dem Selbstmordanschlag 15 Menschen schwer verletzt wurden. Bisher kamen während des Konflikts in Syrien mindestens 100 000 Menschen ums Leben.