Libyen wird seit Wochen von schweren Kämpfen erschüttert. Nachdem Milizen in der Hauptstadt Tripolis die Oberhand gewannen, wich das libysche Parlament nach Tobruk aus. Nun müssen sich seine Mitglieder auf einer griechischen Autofähre treffen. (rtr)

Die Lage den meisten libyschen Städten ist so angespannt, dass die Mitglieder des neuen libyschen Parlaments aus Sicherheitsgründen auf einer griechischen Autofähre im Hafen von Tobruk in der östlichen libyschen Provinz Kyrenaika tagen. Dies berichtete am Dienstag die Athener Zeitung „Ta Nea“. Ein Sprecher der Reederei ANEK-Lines bestätigte, dass die Fähre „Elyros“ für unbestimmte Zeit von den libyschen Behörden gemietet worden sei.

Libyen wird derzeit von den schwersten Kämpfen seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 erschüttert. Als „Islamisten“ bezeichnete Milizen aus der Stadt Misrata kontrollieren die Hauptstadt Tripolis, zwei Parlamente liefern sich einen Machtkampf um die politische Hoheit im Land. Das alte Parlament hatte seine Arbeit einfach wieder aufgenommen, obwohl Anfang August ein neu gewähltes Parlament zusammengetreten war. Während im alten Parlament die Islamisten die Mehrheit hatten, sind sie im neuen in der Minderheit. Wegen der unsicheren Lage in Tripolis tagte das neue Parlament bereits in der Stadt Tobruk weit im Osten des Landes. Die Türkei evakuierte bereits ihre Bürger aus dem Land.

Frankreich fordert internationales Eingreifen

Das von „Islamisten“ dominierte alte libysche Parlament hat die Forderung Frankreichs nach einem internationalen Eingreifen in Libyen scharf kritisiert. Frankreich solle sich nicht in die internen Angelegenheiten Libyens einmischen, sagte der Sprecher des Parlaments, Omar Humaidan, nach Angaben der libyschen Nachrichtenseite Al-Wasat vom Mittwoch.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hatte sich am Dienstag in einem Interview mit der Pariser Tageszeitung „Le Figaro“ für ein internationales Handeln in Libyen ausgesprochen. Die Gewalt und das weitere Vordringen der „Islamisten“ müsse gestoppt werden, sagte Le Drian. Über das Thema sollte am Mittwoch auch beim Treffen der EU-Verteidigungsminister in Mailand gesprochen werden. (dpa/dtj)