Logo von 'Mach dein Ding!'

Bereits zum zweiten Mal richtet der gemeinnützige und überparteiliche Verein Typisch Deutsch e.V. das Motivationsevent „Mach Dein Ding” aus, zu dem am 29.04.2014 wieder 200 Berliner Sekundarschülerinnen und -schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe eingeladen werden. Thomas Oppermann, SPD-Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag, unterstützt das Projekt 2014 als Schirmherr.

Das Motivationsevent, das in diesem Jahr erstmalig von der Vodafone Stiftung Deutschland gefördert wird, die sich für sozial benachteiligte Jugendliche einsetzt, will genau das, was der Titel bereits vermittelt: Jugendliche ermutigen, ihren Weg zu gehen und ihnen Perspektiven und Möglichkeiten auch abseits der geradlinigen Pfade aufzeigen. Anhand von Vorbildern aus ganz verschiedenen Lebenswelten, die über ihre jeweiligen Lebenswege und auch ihre Umwege auf dem Weg zu ihrem persönlichen Ziel erzählen, sollen die Jugendlichen motiviert und ihr Selbstvertrauen sowie Vertrauen in die eigenen Stärken und Potenziale gefördert werden. Zudem finden Gespräche der Jugendlichen mit Politikerinnen und Politikern statt.

Auf diese Weise sollen die Jugendlichen für Politik interessiert werden und erhalten Gelegenheit, ihre Perspektiven zu Zukunftsfragen des politischen Diskurses einzubringen.

Nimmt man die so genannte „Sinus-Studie” aus dem Jahr 2012 zum Maßstab, die vom Sozialforscher Dr. Marc Calmbach geleitet wurde, stehen Jugendliche unter hohem Druck.

„Sie glauben, dass der Wert eines Menschen in der Gesellschaft zunehmend an der Leistungsfähigkeit und der Bildungsbiografie bemessen wird. Der Arbeitsmarkt prekarisiert sich, unbefristete Arbeitsplätze werden zur Ausnahme. Deshalb wollen sie keine Zeit verlieren und haben oft Angst, den falschen Weg einzuschlagen.”

Mittelschichtkinder grenzen sich am stärksten von den „Leistungsverweigerern“ ab

Kinder würden unterschiedlich mit dem Druck umgehen. „Die konservativeren suchen Halt in verlässlichen Strukturen, in der Jugendkirche, bei den Pfadfindern oder im Sportverein. Dann gibt es die moderneren, hedonistischen Jugendlichen, die sich über das Internet vernetzen und eine hohe Affinität zu Jugendszenen haben. Prekäre, also Jugendliche aus einer bildungsfernen und sozial benachteiligten Lebenswelt, haben diese starken sozialen Netzwerke nicht, sie ziehen sich zurück und eignen sich eine fast resignative, oft bildungsfatalistische Grundhaltung an. Hinzu kommt, dass sie von den anderen Gruppen extrem gemieden werden.”

Vor allem die Mittelschicht-Kinder seien von großen Statusängsten geplagt, die sie oft von ihren Eltern übernehmen würden. Sie seien es, die sich am stärksten nach unten abgrenzen und sich am häufigsten von den so genannten Leistungsverweigerern und Sozialschmarotzern distanzieren würden. Das sei ziemlich frappierend und müsse uns als Gesellschaft zu denken geben, so Dr. Calmbach.

Eingerahmt ist das Programm der Veranstaltung in Performances aufstrebender und etablierter Künstler, wie z.B. der Band Otto Normal, des Sängers Okan Frei und des Comedians PU von Rebell Comedy. Die Veranstaltung wird gefördert durch die Vodafone Stiftung Deutschland und findet in Kooperation mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und dem Radiosender KISS FM statt.

Großer Bahnhof im Deutschen Bundestag

Interessierte Schulklassen können sich ab heute unter www.machdeinding.tv/anmeldung um die Teilnahme bewerben. Eingeladen sind Schülerinnen und Schüler der Klassen 9. und 10. aus Berliner Sekundarschulen. Das Event Mach Dein Ding findet am 29.04.2014 von 09.30 bis ca. 16.00 Uhr im Deutschen Bundestag statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei und auf 200 Schüler begrenzt.

Als nachhaltiges Element zur Motivation von Jugendlichen hat sich der Verein zudem etwas Besonderes ausgedacht, nämlich eine Motivations-Homepage mit Kurzfilmen von Menschen, die ihr Ding gemacht haben, Portraits von Prominenten, die Rückschläge erleiden mussten und dennoch sehr erfolgreich wurden. Und mit wertvollen Tipps und Informationen, die Jugendliche gebrauchen können, wenn sie aktuell oder in der Zukunft Unterstützung benötigen: insgesamt jedenfalls ein wahrer Motivationskick!

DTJ-ONLINE führte im Zusammenhang mit der Veranstaltung auch ein Kurzinterview mit der Gründerin von Typisch Deutsch e.V. und Projektleiterin von „Mach dein Ding”, Sezen Tatlıcı.

Euer Motto lautet „Mach Dein Ding“. Das klingt sehr provokativ.

Sie sollen ihr Ding machen… Das heißt nicht „ohne Rücksicht“. Im Gegenteil. Sie sollen sich in die Gesellschaft einbringen! Sie sollen verstehen, dass, wenn sie sich einbringen, dann sowohl die Gesellschaft als auch sie selbst dabei gewinnen.

Helft Ihr mit diesem Projekt den Jugendlichen, ihren Weg zu gehen oder dient es eher als Motivation, indem sie sehen, dass andere es auch geschafft haben und sie nun auch an sich glauben sollen?

Einerseits sollen sie sehen, dass Leute etwas geleistet haben und dann sagen: „Das kann ich auch!” Außerdem sollen sie nicht denken, dass sie die Einzigen auf der Welt sind, denen es nicht gut geht. Schwierigkeiten sind normal und sie sollen erkennen, dass es Hürden zu bewältigen gibt. Mir zum Beispiel hat damals niemand erklärt, wie ich Bewerbungen zu schreiben habe und wie ich Dinge erledigen muss, deshalb möchte ich das den Kindern mitgeben und ihnen helfen und zeigen, dass sie wichtig für die Gesellschaft sind.

An den Videos haben Menschen aus verschiedenen Gruppen teilgenommen, von Friseuren und Musikern bis hin zu Ingenieuren. Lief das mit dem Videoprojekt nach Deinen Vorstellungen?

Bei den Videos für „Mach dein Ding” sind sowohl Altdeutsche als auch Neudeutsche dabei, Akademiker und Nicht-Akademiker. Die SchülerInnen sollen sehen, dass es verschiedene Wege gibt. Es gibt nicht nur den einen Weg, nämlich Abitur zu machen und im Anschluss zu studieren. Es gibt Millionen von Wegen und sie sollen sich einen aussuchen, ohne dass ihnen jemand sagt, welchen sie gehen sollen.

Eine letzte Frage: Ihr wollt vor allem Kinder in sozial prekären Bezirken wie dem Wedding, Neukölln und Kreuzberg fördern. Allerdings zeigt eine Studie von Dr. Calmbach, dass Kinder aus der Mittelschicht dem größten Druck bezüglich ihrer Zukunft ausgesetzt sind. Was ist mit diesen Kindern? Warum nehmen diese nicht an eurem Projekt teil?

Das Projekt hat mehrere Teile und wie man auf der Webseite sieht, sind alle SchülerInnen angesprochen. Es gibt verschiedene Portraits, um alle SchülerInnen zu motivieren. Allerdings haben wir auf der Veranstaltung nur Platz für 200 SchülerInnen und wir mussten schauen, wer diese Hilfe am dringenden braucht. Natürlich haben Kinder aus der Mittelschicht Druck, aber die Kinder, um die es hier geht, haben nicht einmal diesen Druck, sie haben nichts… Es wird ihnen stets gesagt, dass sie niemand sind und dass aus ihnen nichts wird und deshalb konzentrieren wir uns gerade auf diese Kinder. Ich habe beobachtet, dass die meisten Projekte auf SchülerInnen ausgerichtet sind, die bereits ihr Abitur haben oder bereits einen Schritt gegangen sind und wir wollen den SchülerInnen helfen, welche die Hilfe am dringendsten brauchen und die Hoffnung längst aufgegeben haben.

Über den Verein: Typisch Deutsch e.V. wurde im Dezember 2010 gegründet und will zum einen den Begriff „Deutschsein“ positiv belegen und erweitern und zum anderen Jugendliche motivieren, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Sie sind multikulturell, multiethnisch und multireligiös und bringen Alt- und Neudeutsche zusammen und lehnen dabei den Begriff „Integration“ völlig ab. Jedem, der seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hat, sagen sie: Du gehörst dazu! Gestalte mit!