Archivbild: Viele Christen verzichten bis Ostern auf einige Lebensmittel wie Schokolade und Wien. Auch Rauchen gehört manchmal dazu. Foto: picture alliance / dpa

Verzichten, um sich besser zu fühlen – das bedeutet Fasten für manche Menschen. Am Aschermittwoch haben viele damit wieder angefangen. Auch jene, für die der christliche Hintergrund keine Rolle spielt.

Das Fasten vor Ostern ist längst keine reine Glaubensangelegenheit mehr. Von christlicher Seite festgelegt wurde das vorösterliche Verzichten vor rund 1700 Jahren. Viele Menschen nehmen sich vor, eine Zeit lang auf etwas zu verzichten. Dabei geht es oft um die Gesundheit. Aus psychologischer Sicht kann ein solcher Verzicht für Zufriedenheit sorgen: Ich schaffe es, etwas wegzulassen, das ich gerne mache und an das ich gewöhnt bin. „Die Menschen verzichten, um sich körperlich und seelisch besser zu fühlen“, so der Religionssoziologe Patrick Heiser, der Studierende und Mitarbeiter zweier deutscher Hochschulen während der vorösterlichen Fastenzeit 2020 befragte.

Kein Wein, kein Schoki

Die fastenwilligen Menschen in Deutschland wollen in diesem Jahr am ehesten auf Alkohol verzichten, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK. Knapp dahinter landen Süßigkeiten, gefolgt von Fleisch. Am niedrigsten ist die Bereitschaft, das Auto eine Zeit lang stehen zu lassen. Die große Mehrheit der Befragten ist trotz der Corona-Situation dazu motiviert, auch 2021 zu fasten.

Offiziell festgelegt wurde das Fasten vor Ostern auf der Versammlung verschiedener christlicher Kirchen im Jahr 325 (Erstes Konzil von Nicäa). Dabei ging es etwa darum, Streitpunkte wie die Regelung des Osterfestes beizulegen. Neu war das mit dem Fasten allerdings nicht: Schon vor dem Konzil mussten Tauf-Anwärter in den Tagen vor Ostern als Vorbereitung ihrer Taufe fasten – nach dem Vorbild Jesu. Dieser verbrachte vor seinem öffentlichen Auftreten 40 Tage fastend in der Wüste, so eine biblische Erzählung. Verzichteten die frühen Christen radikal auf Nahrung? Nein. Schon damals ging es beim Fasten insbesondere um bestimmte Nahrungsmittel wie Fleisch.

Ramadan dieses Jahr direkt nach Ostern

Bei der Zahl wurde ein wenig getrickst. Sie ist symbolisch und geht eben auf die biblischen Fastentage Jesu zurück. Um auf die gleiche Anzahl zu kommen, rechnet man: Aschermittwoch bis Gründonnerstag minus die Sonntage, an denen nämlich nicht gefastet werden muss. Das ergibt aber nur 38. Deshalb zählt man noch die Fastentage Karfreitag und Karsamstag dazu – obwohl die aus kirchlicher Sicht eigentlich schon zu Ostern gehören.

Fasten spielt auch im Islam eine herausragende Rolle und ist entsprechend eine der fünf Säulen. Im Fastenmonat Ramadan – dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders – sollen Muslime von Sonnenaufgang bis -untergang unter anderem auf Nahrung und Getränke verzichten. Dieses Jahr beginnt der Ramadan am 13. April. Auch im Judentum essen und trinken die Gläubigen beim Fasten nichts. Es spielt eine bedeutende Rolle in der jüdischen Tradition, die mehrere Fastentage vorsieht. Besonders streng gefastet wird etwa am Versöhnungsfest Jom Kippur.

dpa/dtj