„Man hetzt die Menschen gegen die demokratischen Institutionen auf“

Der stellvertretende türkische Premierminister Bozdağ kritisierte das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” für die Titelzeile der 26. Ausgabe, „Boyun Eğme”(„Beugt euch nicht”), das auf Demonstranten auf den türkischen Straßen gemünzt war, die derzeit aus verschiedenen Gründen gegen die Regierung demonstrieren.

„An wen ist dieser Ausruf gerichtet?“, fragte der Erdoğan-Stellvertreter. „Ist er an die Demonstranten, die angeblich für den Gezi-Park protestieren, gerichtet oder auch an [die so genannten] Unpolitischen, die politische Demonstrationen durchführen? Vor wem sollen sie sich nicht beugen? Vor der BBC, der CNN oder dieser Titelzeile? Wenn man auf die Türkei schaut, sieht man eine Demokratie und einen Rechtsstaat. Aber was sagt die Titelzeile aus? Hört nicht auf mit den Protesten und gebt niemals auf”, sagte der stellvertretende Ministerpräsident bei seiner im Fernsehen übertragenen Rede am Sonntag als Antwort auf das Cover des deutschen Nachrichtenmagazins.

Der „Spiegel“ widmete in seiner 26. Aufgabe des Jahres zehn Seiten den türkischen Protesten und veröffentlichte die Titelzeile auf Türkisch, um die Demonstranten zu unterstützen, welche mit den Protesten begannen, um die Umsetzung eines Bauvorhabens im Istanbuler Gezi-Park zu verhindern, deren Kundgebungen jedoch später zu gewaltsamen Demonstrationen von Randgruppen umfunktioniert wurden.

„Wir glauben nicht, dass Deutschlands Türken unzureichende Deutschkenntnisse haben“

Das Nachrichtenmagazin stellte mit seinen zehn Seiten die Ereignisse in der Türkei ins Rampenlicht. Es ist das erste Mal, dass das Magazin eine türkische Titelzeile benutzte und in diesem Umfang einen Artikel über Ereignisse in der Türkei publizierte.

Der stellvertretende Chefredakteur des „Spiegel“, Klaus Brinkbäumer, sagte: „Wir glauben nicht, dass die drei Millionen in Deutschland lebenden Türken ungenügende Deutschkenntnisse haben. Die Ereignisse in der Türkei sind ein Anliegen für Deutsche, Türken, Europäer und jeden anderen gleichermaßen. Die Art der türkischen Regierung, mit diesen Ereignissen umzugehen, ist beunruhigend. Wir sind glücklich, in der Lage zu sein, [unseren Lesern] die Ereignisse in beiden Sprachen, auf Deutsch und auf Türkisch, zu präsentieren.“

Die Ausgabe wurde laut Brinkbäumer auch in der Türkei vertrieben.