Vor 101 Jahren fand im Ersten Weltkrieg eine der verlustreichsten Schlachten für das Osmanische Reich statt. Nach türkischer Überzeugung starben bei Sarıkamış unter der Führung von Enver Pascha in der Schlacht gegen die russische Armee fast 90.000 osmanische Soldaten, die meisten von ihnen wegen der Eiseskälte, die im Januar 1915 herrschte. Gesichert ist diese Zahl nicht, andere Einschätzungen gehen von weit weniger Toten aus.

Am gestrigen Sonntag gedachten Menschen aus allen Teilen der Türkei der Toten. Etwa 5.000 fanden sich ein und marschierten zu Fuß auf die Allahuakbar-Berge in der ostanatolischen Provinz Kars, wo die Soldaten damals ihr Leben gelassen haben sollen. Auch in vielen anderen Provinzen der Türkei fanden zeitgleich mehrere Gedenkzeremonien statt.

Der Marsch in den Bergen von Kars war etwa 8 Kilometer lang. Passend zum Anlass gab das Thermometer Temperaturen um die – 16 Grad an. Vor 101 Jahren soll die Temperatur etwa – 30 Grad betragen haben. Die unzureichend ausgestatten osmanischen Soldaten hatten keine Chance und erfroren.

Angekommen am Sarıkamış-Denkmal hielten die Menschen eine Schweigeminute ab und sangen die türkische Nationalhymne. Führende Politiker und Mitglieder der Armee hielten kurze Reden, darunter auch der für Jugend und Sport verantwortliche Minister Akif Çağatay Kılıç. „Wir sind heute hier, um zu verstehen, mit welcher Hingabe und Opferbereitschaft unsere Vorfahren damals ihr Leben ließen. Trotz Winterkleidung frieren wir. Sie hatten diesen Luxus nicht“, so der Minister, der bei diesen Worten seine Tränen nicht halten konnte.

Der Schmerz der damaligen Tragödie sitzt auch heute noch tief im türkischen Selbstverständnis. Sarıkamış gilt als Symbol für die Niederlage im ersten Weltkrieg. Ziel der Osmanen war es, die verlorenen Gebiete von den Russen zurückzuerobern. Mit der Schlacht musste die wichtige Ostflanke Moskau überlassen werden.