Der Trend- und Zukunftsforscher Kamuran Sezer über die Zukunft der Zeitung und die Gefahr der Meinungsdiktatur im digitalen Zeitalter.
Der Trend- und Zukunftsforscher Kamuran Sezer über die Zukunft der Zeitung und die Gefahr der Meinungsdiktatur im digitalen Zeitalter.

Immer mehr Zeitungsformate erscheinen digital. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Bundesverbandes der Zeitungsverlage (BDZV). Für die Studie wurden insgesamt 64 Zeitungsverleger und Geschäftsführer online befragt. 48 der Teilnehmer waren Verleger bzw. Geschäftsführer einer Zeitung mit einer Print-Auflage von über 100 000, die übrigen 18 der 64 Teilnehmer einer Publikation mit einer Auflage von unter 100 000. Somit repräsentieren diese insgesamt ein Viertel der Zeitungslandschaft in Deutschland. Bei den Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die Auflage der Printmedien im vergangenen Jahr um 4,0 Prozent zurückgegangen ist. Für 2015 ist laut der Forschungsgruppe eine negative Entwicklung von 1,7 Prozent zu erwarten. Der Rückgang sollte sich also in diesem Jahr wieder reduzieren. Somit wird eine leichte Stabilisierung des Printmarktes erwartet.

Dennoch liegt die Zukunft der Medien in der digitalen Welt. Dies wird mittels der steigenden Auflagen bei den E-Papers bestätigt. So stiegen diese Auflagen innerhalb von zwei Jahren um 55% an. Während es in 2012 eine E-Paper-Auflage von insgesamt 276 000 gab, stieg diese Zahl im Jahr 2014 auf knapp 667 000 Exemplare. Über 100 Verlage haben eine digitale Bezahlversion eingeführt. 20 Prozent der Verlage wollen ihre Bezahlinhalte (E-Paper, Paid Content) in diesem Jahr in ein digitales Abo-Modell einbringen wollten. Bisher böten bereits über 100 Verlage Bezahlinhalte im Netz an. Durch neue Newsletter und verstärkte Social-Media-Präsenzen würden besondere Inhalte der Redaktionen immer professioneller verlinkt und damit auch zeitungsfernere Zielgruppen an die Angebote der Verlage herangeführt, so Peter Stefan Herbst, Vorsitzende der BDZV-Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit.

Digitalisierung findet in drei Dimensionen statt

Die Digitalisierung soll in drei Dimensionen stattfinden: Neben aktuell erhältlichen digitalen Produkten wie News über Smartphones, Apps etc. sollen neue Produkte auf den Markt gebracht werden. Die digitale Beteiligung der Verlage soll stark steigen und ausgebaut werden. Zwei Drittel der befragten Verleger messen diesem Feld eine strategisch hohe Bedeutung bei. So sollen beispielsweise die Redaktionen um dieses Feld erweitert werden. Auch die Werbeerlöse sollen wieder steigen. Eine große Mehrheit der Verleger erwartet ein Wachstum von mindestens 5 Prozent jährlich bei den Werbeerlösen und beim Verkauf von digitalen Inhalten für die kommenden drei Jahre.

Projekte außerhalb des Kerngeschäfts geplant

Andererseits ist bei den Verlegern eine Abschweifung von dem Kerngeschäft feststellbar. Die meisten Verlage wollen nun nicht mehr nur ihre Zeitungen irgendwie produzieren und verkaufen, sondern versuchen die Qualität ihrer Mitarbeiter und dadurch ihrer Produkte weiter zu steigern. So wird beispielsweise ein immer größerer Wert auf Weiterbildungsmaßnahmen gelegt. Dazu kommen neue Innovationen in Print: Etwa 50 Prozent der Verlage entwickeln neue zielgruppenspezifische Printprodukte, so beispielsweise regionale Wirtschaftsmagazine. Für das Jahr 2015 haben über 40 Prozent der Befragten Verlage Projekte in dieser Richtung geplant.

Radikal seit einem Jahr nur noch als E-Paper

In der Türkei geht der Prozess der Mediendigitalisierung indessen nur langsam voran. Große Verlage wie die Hürriyet oder Zaman bieten bereits seit einigen Jahren eine professionelle digitale Version ihrer Produkte an. Diese bleiben allerdings in der Minderheit. Viele Verlage zögern bei der Digitalisierung noch. Zahlen zeigen aber, dass auch türkische Medien sich in diese Richtung entwickeln müssen. Während die Auflagenzahlen der Printmedien nach den Zahlen der türkischen Statistikbehörde TÜIK im Jahr 2010 bei 2,571 Milliarden lagen, ging diese Zahl schon im Jahr darauf um 13 Prozent zurück auf 2,265 Milliarden. Die ebenso wie die Hürriyet zur Doğan Yayın Holding gehörende liberale Zeitung Radikal hat im vergangenen Sommer ihre Printausgabe sogar komplett eingestellt. Seitdem gibt es die Radikal nur noch Online und als E-Paper.

Mars Tab als Vorzeigeinnovation für die Zeitschrift der Zukunft

Es gibt aber auch Projekte, die es so nirgendswo anders gibt. Große Verlage wie die Hürriyet oder Zaman bieten bereits seit einigen Jahren eine digitale Version ihrer Produkte an. Diese bleiben allerdings in der Minderheit. Viele Verlage zögern bei der Digitalisierung noch.

Ein Anfang letzten Jahres von Dünya Iletişim Yayıncılık auf den Markt gebrachtes Produkt namens Mars Tab hat wiederum einen innovativen Charakter. Hierbei handelt es sich nicht nur um ein E-Paper. Vielmehr ist dieses kostenlos bei Appstore und Google Play Store herunterladbare Produkt ein Türöffner für die Zeitschriften der Zukunft. Bei Mars Tab handelt es sich um eine digitale Zeitschrift, die Themen aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Sport und Lifestyle in interaktiver Form monatlich aufbereitet.