Medienkritik

Im Osten nichts Neues

Die Ukraine-Berichterstattung stellt eine Art Höhepunkt der zunehmenden Propaganda in den Medien dar. Woher kommt die auffallende Einhelligkeit medialer Deutungen? ErfĂŒllen die Medien ihre Aufgabe als Vierte Gewalt noch? (Foto: ARD)

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Viele, auch bisher völlig unpolitische Menschen, gehen in Deutschland und anderswo auf die Straße. Sie protestieren gegen die als Kriegspropaganda empfundene Hetze gegen Russland. Es sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Ein Unbehagen gegenĂŒber der durchschaubar einseitigen Politik und Medienberichterstattung macht sich breit.

Vielen ist das extreme Putin- und Russland-Bashing inzwischen zuwider. Auch die ganz offensichtlichen Manipulationen durch gezieltes Weglassen von Wichtigem oder HinzufĂŒgen von Ablenkendem fallen auf. Die tendenziöse Benennungspraxis fĂŒr protestierende Menschen stĂ¶ĂŸt ebenso auf, wenn von „Demonstranten“ auf der einen Seite und „Terroristen“ oder „Mob“ auf der anderen Seite die Rede ist. Die verbale Legitimierung der „Maidan-Bewegung“ gegenĂŒber der Delegitimierung der antifaschistischen KrĂ€fte in der Ukraine kritisiert die ehemalige Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz. Ihr Appell verhallt in der tĂ€glichen Meinungsmache.

Ab morgen wird im Sprechsaal Berlin in der Marienstraße eine Ausstellung anhand aussagekrĂ€ftiger Medienbeispiele in verschiedenen Installationen aufzeigen, wie Manipulation funktioniert. Sie stellt eine Kooperation zwischen dem Institut fĂŒr Medienverantwortung und dem Sprechsaal Berlin dar und dauert bis zum 25.07.2014 an.

Alte Feindbilder, neue Propaganda

Die Ukraine-Berichterstattung stellt eine Art Höhepunkt der insgesamt zunehmenden Propaganda dar. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zeigen falsches Bildmaterial, deuten Putsche in Regierungswechsel und Volksabstimmungen in Annexionen um. Andererseits bewerten sie vergleichbare Ereignisse mit unterschiedlichen MaßstĂ€ben. Claus Klebers „Interview“ mit dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden KĂ€ser ist da nur die Spitze des Eisbergs. Die Printmedien stehen dem in nichts nach, wozu man nicht einmal auf die BILD-Zeitung zurĂŒckgreifen muss. Dort toppt man allerdings die angeblich seriöseren Medien, indem man den Regierungen konkrete Handlungsempfehlungen gibt.

Wissen es die Medien besser? Und wenn, dann woher? Woher kommt die auffallende Einhelligkeit medialer Deutungen? ErfĂŒllen sie ihre Aufgabe als Vierte Gewalt noch? Haben sie es je vermocht? Wo liegen die Grenzen medialer Machtkritik? Und wo liegen die GrĂŒnde fĂŒr die beobachtbare Kriegshetze der letzten Jahre? Muss es bei der alten Feindbildpflege gen Osten bleiben oder können wir der Kriegslogik noch entkommen?

BĂŒrger einer Demokratie haben das Recht, aber auch die Pflicht, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.