Tweet: Koray Caliskan wurde so eben von der Polizei festgenommen. Der Grund ist unbekannt. (screenshot)

Unter dem Vorwurf der Verbindungen zur Gülen-Bewegung sind 42 Mitarbeiter von zwei Istanbuler Universitäten festgenommen worden. Im Zuge der immer weiter ausartenden Säuberungswellen der türkischen Regierung hat es erneut einen Mitglied der republikanischen Oppositionspartei CHP getroffen. Der Universitäts-Dozent und regierungskritische Politikwissenschaftler Koray Caliskan wurde zu Hause von der Polizei aufgesucht und festgenommen. Caliskan schreibt auch für die linksgerichtete Zeitung «Birgün».

Nach Angaben von BBC Turkey wurde Caliskan wegen der Nutzung der Messenger App ByLock verdächtigt, Mitglied der sogenannten FETÖ zu sein. FETÖ ist der Kampfbegriff der türkischen Regierung, erstmals durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgerufen, um die Hizmet, bzw. die Gülen-Bewegung als eine Terrororganisation zu stigmatisieren. In Europa und in Deutschland hat dieser neologistische Kampfbegriff Erdogans keinen Gegenwert. Auch deutsche Gerichte haben in zahlreichen Gerichtsprozessen bereits verdeutlicht, dass eine solche Terrororganisation in Deutschland nicht existiere. Lesen Sie mehr dazu im Solinger Tageblatt

Koray Caliskan ist Akademiker, schaffte den Sprung ins Parlament nicht

Der Akademiker Koray Caliskan kandidierte in 2015 für den Einzug ins türkische Parlament in Ankara, schaffte es aber wegen der schlechten Leistung seiner CHP nicht. Für seine Kandidatur trat der Akademiker zwischenzeitlich von seiner Position in der Universität zurück. 

Akademiker und Mediziner als Zielscheibe wegen Putsch?

An der Medeniyet Universität seien unter anderem 19 Professoren der medizinischen Fakultät festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft habe insgesamt für 72 Universitätsmitarbeiter die Festnahme angeordnet.

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Ohne allerdings dafür jegliche Beweise vorzulegen. Das gesprochene Wort des türkischen Staatspräsidenten wird dabei als Beleg angenommen. Seitdem gehen die Behörden deshalb gegen vermeintliche Gülen-Anhänger vor.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Staatsanwaltschaft habe zudem für 43 aktive oder ehemalige Mitarbeiter des Büros des Ministerpräsidenten die Festnahme angeordnet. Ihnen werde ebenfalls Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen.

dpa/dtj