Das Altdorfer Bündnis für Toleranz und Respekt (l) demonstriert am 31.10.2016 in Altdorf bei Nürnberg (Bayern) gegen eine Pegida-nahe Veranstaltung (r) und deren Motto "Keine Islamschweinerei in Altdorf". Anlass der Demonstration ist eine Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland in der Altdorfer Stadtkirche. Foto: Daniel Karmann/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nach der Diskussion um islamkritische Aussagen des dritten Bürgermeisters von Altdorf bei Nürnberg haben dort mehrere Hundert Menschen für Toleranz und gegen Islamfeindlichkeit demonstriert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bekam für einen Vortrag in der voll besetzten evangelischen Stadtkirche bei einer Feier zum Reformationstag am Montag viel Applaus – die meisten Zuhörer erhoben sich dafür sogar von ihren Plätzen.

Mazyek forderte in seiner Rede die etablierten Parteien auf, im Kampf um Wählerstimmen keine „gefährlichen rechtspopulistischen Parolen“ zu kopieren. Seinen Appell richtete er „insbesondere an die konservativen (Parteien) und hier in Bayern ganz besonders an die CSU“. Das Konzept von Sündenbockdiskussionen und Abwertungen von Minderheiten gehe nicht auf – „das sehen wir in Österreich, in Frankreich, in England oder Ungarn“. Stattdessen sollten sich die Parteien mit den Rechten klar auseinandersetzen. „Gestalten statt spalten – das muss unser Credo sein“, sagte Mazyek.

Um die Veranstaltung hatte es zuvor hitzige Diskussionen gegeben. Der dritte Bürgermeister der Gemeinde, Johann Pöllot (CSU), hatte den Termin als „Islamschweinerei am Reformationstag“ bezeichnet. Später distanzierte er sich von der „verheerenden“ Formulierung und entschuldigte sich beim evangelischen Dekan Jörg Breu sowie bei den Muslimen in seiner Gemeinde. Er sei kein Islamfeind und habe „keineswegs den Islam verunglimpfen“ wollen. Die SPD in Altdorf forderte dennoch Pöllots Rücktritt.

Aiman Mazyek sagte vor der Veranstaltung, er nehme Pöllots Entschuldigung an. „Was bleibt ist, dass diese Hasssprache weiter salonfähig gemacht wurde. Sie hat viel Gift rein gebracht.“ Er erwarte von den Parteien, sich davon klar zu distanzieren.

Erleichtert zeigte sich nach der Veranstaltung Dekan Breu. „Ich bin froh, dass viele Menschen da waren, dass sie ruhig waren und nicht gestört haben.“ Mit Herrn Pöllot stehe er in Kontakt. „Wir haben uns gegenseitig die schlimmsten Hass-Mails gezeigt, die wir jemals bekommen haben. Wir haben uns sozusagen gegenseitig in die Hölle schauen lassen.“

Ein klare Haltung forderte derweil Mazyek in seiner Rede auch von hochrangigen islamischen Geistlichen und Gelehrten; sie müssten unmissverständlich Position gegenüber islamistischen Terroristen beziehen, sagte er in seiner Rede. „Wir brauchen keine Fundamentalisten, keine Islamisten, eigentlich überhaupt keine -isten. Wir brauchen wieder mehr Menschen, die Gutes tun, und keine Ideologen. Wir brauchen keinen Islam à la Lenin, sondern à la Ghandi.“

Der Dialog zwischen den Religionen sei in diesen Tagen eine Herausforderung. „Und natürlich gibt es so etwas wie eine deutsche Leitkultur“, sagte Mazyek. Er denke dabei an die Werte des Grundgesetzes, an Kant, Goethe und Schiller, an das Wirtschaftswunder, das ohne die Türken nicht zustande gekommen wäre, und auch an die Lehren aus der Shoah. „Dies alles gehört für mich zur Leitkultur. Und von mir aus auch Halal-Würstchen und Oktoberfest“, meinte Mazyek.

Vor der Veranstaltung hatten nach Polizeiangaben etwa 400 Menschen vor der Kirche demonstriert. Der erste Bürgermeister Altdorfs, Erich Odörfer (CSU), sagte bei der Demo unter dem lauten Jubel der Demonstranten, die Formulierungen seines Stellvertreters seien „falsch und nicht angebracht“ gewesen. „Altdorf ist bunt und soll es auch bleiben“, fügte Odörfer hinzu. Ihnen gegenüber standen etwa 20 Teilnehmer einer der islamfeindlichen Pegida-Bewegung nahestehenden Gruppe.(dpa/dtj)