Diana Darre schreibt über ihre Erfahrungen in Damaskus.
Diana Darre schreibt über ihre Erfahrungen in Damaskus.

Diana Darke legt ein beeindruckendes Zeitzeugendokument vor, das Einblicke in den sysrischen Bürgerkrieg bietet, die man in der tagesaktuellen Presse kaum erhält. Anfang 2005 kaufte sich die britische Schriftstellerin und Journalistin in der Altstadt von Damaskus ein traditionelles syrisches Haus aus dem 17.Jahrhundert. Sie nutzte all ihr Erspartes, um dieses Haus zu erwerben und zu restaurieren. Denn dahinter steckten keine wirtschaftlichen Absichten, sondern ausschließlich der persönliche Wunsch, diese Häuser, die ein bedeutender Teil der arabischen Kultur waren, zu schützen.

Später nutzte sie das Haus, um dort ein Buch über ihre Erfahrungen zu schrieben, die sie seit ihrem ersten Besuch in Syrien im Jahr 1978 gemacht hatte. Doch ihr Timing hätte nicht schlechter ausfallen können. Die Proteste gegen das Assad-Regime hatten im März 2011 in Damaskus begonnen und der Arabische Frühling breitete seinen Schatten auch über Syrien aus. Darke war gezwungen das Buch komplett zu überarbeiten. Nachdem sie aus Syrien geflohen war, wurde ihr Haus als Zufluchtsort von Flüchtlingen genutzt.

„Mein Haus in Damaskus“ wurde unter traumatischen Umständen geschrieben, doch es zählt zu den bedeutendste Büchern, die je über Syrien veröffentlicht worden sind. Darkes Absicht ist es, in dem Buch Geschichten zu erzählen, „deren Details die Presse niemals erreicht hätten… die Geschichte Syriens, seiner Leute, seiner Gesellschaft und Geheimnisse, die aus dem Blickwinkel eines alten Hauses geschrieben wurden: meinem Haus.“

„Die Menschen schweigen aus Angst“

Vor allem macht Darke ihre Kritik am Bürgerkrieg deutlich. Aus ihrer Sicht stünden 75% der Syrer zwischen zwei Extremen: „Millionen von Menschen wurden gezwungen aus Angst zu schweigen, sie fürchten sich vor den Konsequenzen zu sprechen, sie fürchten sich vor dem System, das sie eigentlich schützen sollte.“ Um dies zu verdeutlich, nutzt sie die Geschichte des bedeutenden mittelalterlichen muslimischen Philosophen al-Ghazali über den Esel, der zwischen zwei Karotten gefangen war. Der Esel quälte sich damit, zu entscheiden, welche Karotte womöglich größer und saftiger wäre und endete damit aus Hunger in der Mitte zu sterben. Die Moral dieser Geschichte soll zeigen, dass Unentschlossenheit eine Form von Entscheidung ist, deren Konsequenzen tödlich sind.

Als sich der Krieg verschlimmerte, wurde das Haus der Schriftstellerin zu einem „Spiegel der tragischen Anarchie Syriens“. Als es für sie nicht mehr möglich war, dort zu leben, suchten Freunde darin Zuflucht. Doch mit der Zeit kamen immer mehr Familien  zusammen und Darke wurde betrogen. Die Zukunft ihres Hauses schien genauso düster wie das des Landes selbst.


Das Buch ist bisher nur in englischer Sprache erschienen:
Diana Darke: My House in Damascus: An Inside View of the Syrian Revolution, Haus Publishing 2015, 320 Seiten.

Foto: (Hürriyet Daily News)