Merkel beliebter als Erdoğan und Özdemir

Zwischen Februar und März wurde die erste repräsentative Wahlumfrage von endaXdurchgeführt. Überraschendes Ergebnis: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist besonders bei den jungen Türkinnen und Türken beliebter als der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan und der grüne Spitzenpolitiker Cem Özdemir. Bei den älteren Türkinnen und Türken spielen deutsche Politiker hingegen kaum eine Rolle. Auf die Frage „Welchem Bundes- bzw. Staatspräsidenten würden Sie Ihre Stimme geben, wenn Sie eine solche Wahlmöglichkeit hätten?“ stimmte eine überragende Mehrheit der Deutschlandtürken für Abdullah Gül. Dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck ist es nach einem Jahr Amtszeit immer noch nicht gelungen, das Vertrauen der Deutschlandtürken zu gewinnen.

Überraschungsgewinner FDP

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der endaX-Studie: Wenn am kommenden Sonntag tatsächlich Bundestagswahlen wären, würde die SPD mit 31,3% unter den Deutschtürken zwar die meisten Stimmen auf sich vereinigen, aber längst nicht auf dem Niveau, wie man es bisher angenommen hatte.

Mit 27,8 % haben die Christdemokraten immer stärker zu den Sozialdemokraten aufgeschlossen. Dabei ist die Personalpolitik der CDU in den vergangenen Monaten bei den Deutschlandtürken auf Zustimmung gestoßen. Die Christdemokraten haben mit Aygül Özkan, Emine Demirbüken und Serap Güler drei türkischstämmige Politikerinnen in den Bundesvorstand der Partei gewählt und mit Cemile Giousouf die erste muslimische Kandidatin für den Bundestag auf einen sicheren Platz gesetzt. Die SPD hat hingegen wegen der rassistischen Äußerungen Thilo Sarrazins und des Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky enorm an Vertrauen unter den Deutschlandtürken verloren.

Überraschungsgewinner der Umfrage sind aber die Liberalen, die mit 20% weit vor den Grünen (13,8%) den dritten Platz in der Wählergunst belegen.

Junge Türken vertrauen deutschen Institutionen nicht

Die erste endaX-Studie wurde auch genutzt, um die türkische Gemeinde zu aktuellen Ergebnissen zu befragen. Im Mittelpunkt standen die NSU-Morde und das Staatsvertrauen. Erschreckendes Ergebnis: Das Vertrauen der türkischen Gemeinde in Deutschland zum Staat und seinen Institutionen ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Gerade mal 5,3% der 18- bis 25-jährigen Türkinnen und Türken sind davon überzeugt, dass Deutschland die NSU-Morde lückenlos aufklären werde.

Großes Stimmpotenzial: Wählerstimmen von Einwanderern machen 10% aus

Kamuran Sezer, Leiter des futureorg Instituts und Mitglied der Projektleitung, merkt dazu an: “In Westdeutschland beträgt der Stimmenanteil von Einwanderinnen und Einwanderern etwa 10 Prozent und in NRW über 11 Prozent. In einzelnen Großstädten, wo die meisten Einwanderergruppen leben, ist das Stimmpotenzial sogar noch wesentlich höher. Angesichts dessen muss man angesichts der Tatsache, dass das Votum dieser Bevölkerungsgruppe in den öffentlichen Diskurs gar nicht einfließt, weil es nicht bekannt ist, von einem gravierenden Demokratiedefizit sprechen.”

Demokratiebeteiligung und politische Partizipation von Einwanderern wurde erforscht

Ziel der endaX-Initiative ist es, durch repräsentative Wahl-, Markt- und Meinungsforschung in der Bevölkerungsgruppe der Einwanderinnen und Einwanderer ihre Demokratiebeteiligung und politische Partizipation in Deutschland zu untersuchen und dazu regelmäßig Ergebnisse zu veröffentlichen. Dazu sagt Mustafa Altaş, stellvertretender Vorsitzender der World Media Group AG und Mitglied der Projektleitung: “Wir wissen nicht, welchen Parteien die wahlberechtigten Einwanderinnen und Einwanderer in Deutschland bei den kommenden Bundestagswahlen ihre Stimme geben werden, welche politische Themen ihnen unter den Fingernägeln brennen, welche Politikerin und welcher Politiker ihr Vertrauen genießen. Das ist ein großes Defizit unserer täglichen Medienarbeit, dem wir mit endaX nun endgültig entgegenwirken wollen.”

Erster Schritt ist gemacht weitere Umfragen werden folgen

An der ersten großen Umfrage haben 1.632 Deutschlandtürken teilgenommen. Bis zu den Bundestagswahlen im September 2013 werden regelmäßig weitere Befragungen durchgeführt und der Öffentlichkeit sowie den Medien präsentiert. Hierfür stehen dem endaX-Team der Chefredakteur von test.dtj-online.de, Herr Süleyman Bağ und Philipp Freiherr von Brandenstein, der frühere Chief-of-Staff von Karl-Theodor zu Guttenberg und Leiter für Strategie und Kommunikation in der CSU-Zentrale war, bei. Weitere Informationen über die erste repräsentative Umfrage finden Sie unter endax.de.