Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am 13.07.2016 auf dem Flughafen Manas International in Bischkek (Kirgistan) vom Präsidenten der Kirgisischen Republik, Almasbek Atambajew (r), begrüßt. Neben Kirgisistan besucht die Kanzlerin auch den Asien-Europa-Gipfel (Asem) in Ulan Bator in der Mongolei. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist jetzt fast elf Jahre im Amt. Da kommt es nicht mehr so häufig vor, dass sie in ein Land kommt, in dem sie noch nicht war. Am Mittwoch, kurz vor Mitternacht ist es mal wieder so weit. Kirgistan. Auf dem Flughafen der Hauptstadt Bischkek wird sie mit Gebäck und Blumen empfangen.

Der Präsident Almasbek Atambajew freut sich so sehr über seinen weltberühmten Gast, dass er ihn mitten in der Nacht mit militärischen Ehren begrüßt: Nationalhymnen, Abschreiten der Ehrenformation, volles Programm. Auf dem Weg zum Hotel rauscht die Kolonne an riesigen Willkommens-Plakaten auf Russisch und Kirgisisch vorbei. „Wir freuen uns auf Sie“, steht da.

Kirgistan ist das zweitkleinste Land in Zentralasien, der ursprünglichen Heimat der Türken, aber trotzdem noch mehr als halb so groß wie Deutschland. Knapp sechs Millionen Menschen leben in der ehemaligen Sowjetrepublik, deren Hauptstadt einst Frunse nach einem russischen General hieß. Es gibt Gold, Öl und Kupfer hier, trotzdem lebt jeder dritte Einwohner unter der Armutsgrenze.

Einst fast 100 000 Deutsche in Kirgistan

Die Beziehungen zu Deutschland halten sich in Grenzen. Kirgistan ist für die deutsche Wirtschaft Handelspartnern Nummer 146 von etwa 200 Ländern dieser Welt. Die deutschstämmige Minderheit ist von einst 100 000 auf nur noch 8000 Einwohner geschrumpft.

Trotz der bescheidenen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung will Merkel Kirgistan mit ihrem Besuch Anerkennung zollen. Der Hauptgrund: Das Land hat im Gegensatz zu seinen Nachbarn seit einem Umsturz vor sechs Jahren einen Kurs in Richtung westliche Demokratie eingeschlagen. Das gilt es zu würdigen. „Wir haben eine große Hochachtung für den eigenständigen Weg, den Kirgisistan seit 2010 geht“, sagt Merkel.

Kirgistan ist aber auch noch aus einem anderen Grund interessant für sie. Es wäre eigentlich ein ideales Urlaubsziel für die Kanzlerin, die jeden Sommer durch die Alpen wandert. Mehr als 90 Prozent der Landesfläche sind Gebirge. Die Gipfel sind bis zu 7000 Meter hoch.

Merkel erreicht bei ihrem Besuch immerhin 2000 Meter. Atambajew zeigt ihr den Nationalpark Ala-Artscha. Bei einem Spaziergang blickt die Kanzlerin auf schneebedeckte Gipfel und badet die Hände in einem Gebirgsbach. Kirgistan sei „ein kleines, aber wunderschönes Land“, sagt sie.

Auf den Spuren von Dschingis Khan

Ihr zweites Reise-Ziel in Asien – die Mongolei – liegt noch etwas weiter östlich, ist nicht weniger exotisch, aber viel bekannter als Kirgistan – dank Dschingis Khan, der vor knapp 800 Jahren ein Weltreich eroberte. Beide Länder haben vor allem eines gemeinsam: Sie liegen im Einflussbereich der beiden Riesen China und Russland.

Man fühle sich wie ein Pony zwischen zwei Elefanten, hat der mongolische Präsident Tsakhia Elbegdorj die Situation einmal beschrieben. Sein Land sieht sich aber auch als Brücke zwischen Europa und Asien. In den Vereinten Nationen, in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) oder als Beobachter in der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) ist die Mongolei viel aktiver als andere Länder. 1000 seiner gut 10 000 Soldaten stehen für weltweite UN-Friedensmissionen bereit.

Am Freitag findet in der Hauptstadt Ulan Bator der Europa-Asien-Gipfel (Asem) statt, auf dem sich die Mongolei als „globaler Mitspieler“ präsentieren will. Die Anreise von 51 großen Delegationen dürfte die Sicherheitskräfte und Logistik in der 1,5-Millionen-Stadt leicht überfordern. Mehr als 30 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt – darunter auch die Ministerpräsidenten Russlands und Chinas, Dmitri Medwedew und Li Keqiang. Die Türkei ist kein Mitglied im Asem.

Asem nur eine „Quasselbude“?

Im Mittelpunkt stehen Wirtschaftsfragen. Daneben wird der aktuelle Streit um das Südchinesische Meer nach der Entscheidung des Schiedsgerichts in Den Haag eine große Rolle spielen – auch wenn China betont, das Asem-Forum sei dafür gänzlich „ungeeignet“. Interessant wird auch sein, ob die Europäer nach dem Brexit-Votum ein Signal der Einigkeit hinbekommen. Ausgerechnet in der Haltung zu China ist die EU uneins.

Während Asem auch mal als „Quasselbude“ abgetan wird, sehen Experten in dem lockeren Format den besonderen Wert. Auch Pascal Abb vom German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg findet die Kritik „etwas verfehlt“. Gerade überregionale Kontakte ließen sich schlecht als Institutionen etablieren, in denen ständig verbindliche Vereinbarungen ausgehandelt würden.

Auch Merkel wird die Gelegenheit zu mehreren bilateralen Gesprächen nutzen. Mehr als 30 Staats- und Regierungschefs an einem Ort – das gibt es nur sehr selten.