Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angesichts des massiven Zuzugs von Flüchtlingen zu Sensibilität und Toleranz aufgerufen. Integration sei möglich, sagte Merkel, und dazu gehöre, „dass die Gesellschaft auch bereit ist, tolerant zu sein und vielleicht auch eine gewisse Sehnsucht danach hat, dass sie vielfältiger werden wird“. Niemand solle auf seine kulturelle Prägung verzichten, betonte Merkel am Dienstag nach dem 8. Integrationsgipfel im Kanzleramt.

Vier Tage nach den Terroranschlägen von Paris sagte Merkel: „Es geht gerade in diesen Zeiten um den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Integration bedeute, dass sich die Migranten an die Gesetze und Regeln halten, aber auch, dass ihnen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werde. Da gebe es noch einiges zu tun.

Beim Integrationsgipfel standen die Themen Gesundheit und Pflege im Mittelpunkt. Merkel betonte, auch in diesen Bereichen müsse sensibel auf verschiedene Gewohnheiten und kulturelle Erfahrungen reagiert. „Wir haben das Thema hier ein Stück weit aus der Verschwiegenheit herausgeholt“, sagte die Kanzlerin. Auf Einladung Merkels diskutierten über 100 Experten und Vertreter von Verbänden, Bund, Ländern und Kommunen.

Gesundheitssystem eine tragende Säule

Nach Angaben von Aydan Özoğuz (SPD), der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, leben bereits heute mehr als 1,5 Millionen Senioren mit Einwanderungsbiografien in Deutschland. Diese Zahl werde auf schätzungsweise 3,5 Millionen im Jahr 2032 steigen. „Sie alle brauchen ein Gesundheitswesen, das interkulturell offen ist.“ Gerade in der Altenpflege seien Kultursensibilität und Mehrsprachigkeit des Personals wichtig. Demenz könne in der ersten Generation der Einwanderer zum Verlust der deutschen Sprachkenntnisse führen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nannte das Gesundheitssystem eine tragende Säule für die Integration von Flüchtlingen. Wie in kaum einem anderen Bereich würden in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung buchstäblich verletzliche Seiten von Menschen angesprochen, erklärte Gröhe. Je positiver dann Erfahrungen in der Versorgung seien, desto eher trügen sie zur Integration bei.

Zugleich plädierte der Gesundheitsminister dafür, dass sich Krankenhäuser wie Pflegeeinrichtungen mehr mit interkulturellen Aspekten der Versorgung befassen. Es sei wichtig, dass Ärzte mit Migrationshintergrund möglichst schnell in den deutschen Arbeitsmarkt integriert würden. Berufsverbände und Kassenärztliche Vereinigungen böten bereits Suchportale an, um Ärzte mit Fremdsprachenkenntnissen zu finden. (dtj/dpa)