Als am 29.Dezember 2013 die ersten Meldungen von einem Skiunfall Michael Schumachers über den Ticker gingen, ahnte noch niemand, dass der mehrfache Formel-1-Weltmeister drei Monate später noch immer im Koma liegen würde. Viele gefährliche Situationen hat Schumacher in seiner Rennfahrer-Karriere überstanden, nun zwingt ihn ein Sturz am Rande einer Piste in den französischen Alpen in die Knie. Das klingt nach Ironie des Schicksals, wenn es nicht so tragisch wäre.

Bereits am Tag seines Hubschraubertransportes ließ die Nachricht von einer Zwischenlandung und notwendigen Reanimation des Verunglückten nichts Gutes ahnen. Dennoch stimmten die Folgemeldungen der Ärzte im Universitätsklinikum von Grenoble routiniert und verhalten optimistisch. Zu den Routinen gehört es, Patienten, die eine schwere Kopfverletzung haben, ins künstliche Koma zu versetzen, die Schädeldecke zu öffnen und damit den Druck vom Gehirn zu nehmen, der sonst weitere Schäden verursachen könnte.

Schumachers Sturz auf einen Stein nicht weit ab von der präparierten Piste geschah ohne hohe Geschwindigkeit und vermutlich durch das unbemerkte Auffahren auf einen anderen Stein, der unsichtbar unter der dünnen Neuschneedecke lag. Dass der Helm beim Aufprall mit vergleichsweise geringer Geschwindigkeit in zwei Hälften barst, stimmt nachdenklich. Fachleute räumen ein, dass man bisher noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber habe, wie sich eine Helmkamera auf das Material auswirke und welche Kräfte durch einen Aufprall mit der Kamera auf den Helm wirken könnten. Vielleicht liegt genau in diesem Detail der Grund für die besondere Schwere der Verletzung des Formel-1-Idols?

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma sind die betroffenen Areale des Gehirns entscheidend für die möglichen Langzeitfolgen. Wer etwa auf der rechten Seite betroffen ist, hat weniger mit Sprachproblemen zu kämpfen, als jemand, dessen linke Hirnhälfte getroffen wurde. Allerdings sind oft Lähmungserscheinungen und Schluckstörungen die Folge. Das alles kann man größtenteils wieder lernen, wenn man wieder aufwacht und der eigene Antrieb nicht verändert ist. Der Antrieb wird an der Stirnfront verortet. Und dass genau der Stirnlappen schwer betroffen sein soll, gibt mit Blick auf die Kamera als Fremdkörper am oder im Helm erneut zu denken.

Die guten Wünsche aus der ganzen Welt, die sich auf dem Focus-Ticker sammeln, rühren und geben da Hoffnung, wo Neuigkeiten über die Entwicklung des Patienten fehlen. Mit der Einrichtung eines Live-Tickers war man in der Focus-Redaktion sowieso etwas zu forsch, denn in solchen Fällen kann es nicht ständig Neuigkeiten geben – und die Familie braucht Ruhe, um sich auf den Komapatienten zu konzentrieren, dessen Aufwachen sie zu einem kleinen Anteil durchaus beeinflussen kann. Dazu kann man ihr nur Kraft und langen Atem wünschen, denn nach all den Jahren gefährlichen Rennfahrerlebens ist es wirklich kaum zu begreifen, dass ein vermeintlich kleiner Sturz das vollbringen könnte, was man bei halsbrecherischen Autorennen eher erwartet hätte.

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