Am vergangenen Samstag fand in Köln die erste HoMi-Tagung statt.

Hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten (HoMi) in der Bundesrepublik Deutschland bilden eine bedeutende Gesellschaftsgruppe mit hohem Wirkungs- und Entscheidungspotenzial. Die HoMi-Studie hat es sich zum Ziel gemacht, mehr über diese Gruppe herauszufinden. Die Auftakt-Tagung „Demokratiebeteiligung von hochqualifizierten Migrantinnen und Migranten“ fand am vergangenen Samstag in Köln statt.

Als Keynote-Speaker waren Marco Buschmann, Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen, und Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani, Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Bildungs- und Migrationsforschung an der Fachhochschule Münster, eingeladen. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit, Einblick in seine Studie zu gewinnen, bei der es um den Vergleich des Lern- und Schulerfolgs zwischen türkischen und vietnamesischen Schülern in Deutschland geht.

El-Mafaalani kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass die vietnamesischen Schüler viel erfolgreicher sind als die türkischen, obwohl die vietnamesischen Eltern insgesamt eher schlechtere Deutschkenntnisse aufweisen als die türkischen. Die Gruppe der vietnamesischen Eltern vertraut den Lehrern und dem Bildungssystem kaum, erwarten wenig und üben Druck auf ihre Kinder aus. Bei den Türkeistämmigen ist es genau entgegengesetzt: Sie zeichnen sich durch ein hohes Vertrauen in die Professionalität der pädagogischen Arbeit aus und erwarten, dass sich die Lehrkräfte als Experten für Bildung und Erziehung ihren Kindern zuwenden.

„Wenn ich Lehrern meine Ergebnisse vorstelle, wird es still“, sagt er. Die Stille steht für eine Irritation: „Die auch von Lehrern in der Regel als Mustermigranten dargestellten Vietnamesen halten dem System Schule einen Spiegel vor. Die Vorzeige-Migranten sehen in einem Lehrer lediglich einen Selektierer bzw. einen Schiedsrichter, keinen Förderer oder Trainer. Dass Misstrauen zu Erfolg führt und Vertrauen zu Problemen – das widerspricht dem pädagogischen Selbstverständnis“.

Denn auch das Communitygefühl sei bei vietnamesischen Einwanderern nicht weniger stark ausgeprägt. Es gebe kaum Kontakt zu Deutschen in der Elterngeneration und auch in der Familie werde nahezu ausschließlich die Herkunftssprache gesprochen. Damit widerspricht El-Mafaalani mit seinen Thesen der gängigen Meinung, dass sich das Lösen von der eigenen Kultur und Sprache mit besseren Bildungs- und Integrationschancen einhergehen müsse. „Es gibt viele Faktoren. Genau hinsehen und nicht Vorurteile pflegen – das sollte man gerade von Pädagogen erwarten dürfen“, resümiert er abschließend.

Wahlbeteiligung und Wahlpräferenz der HoMi

Die Veranstaltung in Köln bildete nur den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Tagungen, die innerhalb der nächsten 24 Monate stattfinden sollen und Themen wie Arbeitsmarkt, Gesundheit, Mediennutzung und Ökonomie beinhalten werden.

Aus der HoMi-Studie, die von Kamuran Sezer (Gründer und Leiter des futureorg Instituts) und Kathleen Brüssow (Research Analystin im futureorg Institut) durchgeführt und vorgestellt wurde, geht hervor, dass sich die Wahlpräferenz der HoMi türkischer Herkunft verschoben hat: Während die SPD und die Grünen an Stimmen verlieren, gewinnen die CDU (10,6 %), FDP (1,9 %) und die BIG-Partei (6,5 %) an Stimmzuwachs. Nichtsdestotrotz zeichnet sich die SPD mit knapp 40 Prozent als die bevorzugte Partei aus, gefolgt von der CDU und den Grünen mit jeweils 22 Prozent der Wählerpräferenz.

HoMi und ihre Position in der Gesellschaft

Aus der Studie geht hervor, dass die HoMi über eine hohe Bereitschaft für soziales Engangement und gesellschaftspolitische Teilhabe verfügen, die sich vor allem im eigenen Umfeld bzw. Familienkreis bemerkbar macht. Wenn es um die Wahlentscheidung, den Schulabschluss und die Wahl des Studienfaches ihrer Mitmenschen geht, nehmen sie gerne eine beratende Rolle ein. Sie üben positiven Einfluss auf den Bildungsweg der Jüngeren aus, indem sie ihnen als Vorbilder Hilfe und Unterstützung anbieten. Werte für gleichberechtigte Teilhabe sind ihnen wichtiger als Individualwerte wie Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung, woraus sich folgern lässt, dass sie hohe Sozialkompetenzen aufweisen. Obwohl die Bereitschaft und das Potenzial verfügbar sind, sind ihre Einflüsse auf das engere Umfeld beschränkt: Denn die Mehrheit der HoMi nehmen weder in der türkischen noch in der deutschen Community Schlüsselpositionen ein. An dieser Stelle bedarf es weiterhin an Entwicklungsarbeit und motivationsfördernden Projekten und Maßnahmen. Aufgefordert sind demnach Entscheidungsträger, Multiplikatoren, Unternehmer und Engagierte mit oder ohne Migrationshintergrund, die verborgenen Potenziale zu entdecken, mobilisieren und einzubinden.

Interaktive Workshops mit Aussagekraft

In der zweiten Hälfte der Tagung wurden für die Teilnehmer drei verschiedene Workshops mit jeweils einem spezifischen Thema angeboten.

In Workshop 1 „HoMi in deutschen Parteien“ wurde über die politische Partizipation der HoMi mit besonderem Blick auf die migrantischen und nicht-migrantischen Parteien diskutiert. Als Ergebnis wurde festgehalten, dass beide Seiten – sowohl die Parteien als auch die Bürger mit oder ohne Migrationshintergrund – die Verantwortung für eine hohe politische Teilhabe in der Gesellschaft tragen. Es sei die Aufgabe aller sich für politische Themen zu öffnen und bei vorhandenem Interesse für politische Aktivitäten sich in einer Partei zu engagieren. Auf der anderen Seite müssten die Parteien Offenheit gegenüber migrantischen Themen zeigen und diese auf der politischen Agenda platzieren, um zum einen das Interesse der Migranten für Politik zu erwecken bzw. zu pflegen und zum anderen Lösungen für bestehende Probleme, wie z.B. die doppelte Staatszugehörigkeit zu finden.

In einem weiteren Workshop wurde die Teilhabe von HoMi in sozialen Medien thematisiert. Daraus ging hervor, dass die Mehrheit der Workshop-Teilnehmer soziale Medien für gesellschaftspolitische Themen nutzen, wobei die Intensität der Nutzung unterschiedlich ausgeprägt ist. Die Hauptfragestellung des Panels war: „Kann man mit sozialen Medien Gesellschaften verändern?“. Während der gemeinsamen Diskussion haben sich sowohl Chancen als auch Gefahren und Risiken von sozialen Medien herauskristallisiert, die in Anlehnung an die aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, wie z.B. die Gezi-Park-Proteste in Istanbul und dem Militärputsch in Ägypten diskutiert wurden. Als Ergebnis wurde festgehalten, dass soziale Medien zu gesellschaftlichen Veränderungen beitragen, wobei diese sowohl negativ als auch positiv ausfallen können.

Im dritten Workshop „HoMi-Unternehmer als aktive Mitglieder der Bürgergesellschaft“ wurde über die Verantwortungen der UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft diskutiert. Die Teilnehmer dieses Panels kamen zu dem Schluss, dass vor allem die HoMi-Unternehmer ein hohes soziales Engangement zeigen müssen, indem sie sich in migrantischen Vereinen und politischen Parteien einbringen und in Schulen und an Hochschulen als Mentoren eine wegweisende Vorbildfunktion für Jüngere erfüllen. Sie sind in der Bürgergesellschaft mitverantwortlich dafür neue Potenziale zu entdecken und zu fördern. Dazu zählt die Teilnahme an Informationsveranstaltungen sowie -messen für Schüler und Studierende, um sich als Vorbild und Unterstützer für diese Zielgruppe positionieren zu können. Das Anbieten von lehrreichen Praktikumsstellen im eigenen Betrieb ist eine weitere Möglichkeit junge Menschen zu erreichen und zu fördern.

FDP meets HoMi – ein Bild, das in Zukunft öfter zu sehen sein wird

Die HoMi-Studie ist ein Resultat der Initiative „endaX“ – ein Online-Access-Panel mit mehr als 2.700 Registrenten. Zuständig für die Vorbereitung und Durchführung der HoMi-Studie ist das futureorg Institut, wobei die FDP-nahe Friedrich Naumann Stiftung für Freiheit und die World Media Group AG mit ihrer tatkräftigen Unterstützung zum Erfolg des Projekts beitragen. Synko e.V., NITAB und DEIN Köln e.V. sind weitere unterstützende Kooperationspartner.