Im Laufe des Jahres 2012 erzielten 2,66 Millionen Menschen in Deutschland zusätzlich zu ihrem Einkommen aus einer regulären Hauptbeschäftigung noch zusätzliche Erträge aus Minijobs.

Im Laufe des Jahres 2012 erzielten 2,66 Millionen Menschen in Deutschland zusätzlich zu ihrem Einkommen aus einer regulären Hauptbeschäftigung noch zusätzliche Erträge aus Minijobs.

Damit hatte sich die Zahl im Vergleich zum Jahr zuvor um 59.000 beziehungsweise 2,3 Prozent erhöht. Dies ging aus einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann (Die Linke/Zwickau) an die Bundesagentur für Arbeit hervor. Die Chemnitzer „Freie Presse“ berichtete.

Die 2,66 Millionen umfassen nur jene Menschen, die einen Minijob als Zweitjob ausüben. Es ist jedoch auch möglich, zwei sozialversicherungspflichtige Stellen anzutreten oder im Nebenberuf selbstständig tätig zu sein.

Insgesamt 9,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erzielen demnach auf diese Weise zusätzliches Einkommen. Das ist mehr als eine Verdopplung seit Ende 2003, wo lediglich 4,3 Prozent aller Arbeitnehmer mit regulären Jobs zusätzlich noch geringfügig beschäftigt waren.

Was sagt diese Zahl über die Motivation der Betreffenden aus? Hierüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen sehen die Entwicklung als Eingangstor in die neue Armut und befürchten, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse würden zunehmend reguläre ersetzen. Andere – wie eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums – ernten Schelte für die Auffassung, viele Arbeitnehmer würden nach zusätzlichen Beschäftigungen streben, um sich bestimmte Konsumwünsche zu erfüllen.

Recht haben beide – es kommt nur darauf an, wo man hinschaut. Wie aus einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, sind die Minijobs vor allem im Bereich der Dienstleistungsbranchen Gang und Gäbe. Viele Minijobber verrichten dort Arbeit, die früher regulär Vollbeschäftigte verrichtet haben – nur für weniger Geld.

Jobs dort, wo sie sonst nicht entstanden wären

Hinweise auf eine Verdrängung fänden sich besonders im Einzelhandel, im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, schreibt das IAB, das hauseigene Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit. In diesen Branchen spielen lange Öffnungszeiten und eine schwankende Nachfrage eine große Rolle.

Betriebe könnten mit Minijobs flexibel auf Kundenwünsche und -ströme reagieren. „Wenn beispielsweise längere Öffnungszeiten im Einzelhandel oder ein hohes Gästeaufkommen in der Gastronomie zu bewältigen sind, lässt sich dies mithilfe vieler kleiner Beschäftigungsverhältnisse passgenauer bewältigen“, so die IAB-Forscher Christian Hohendanner und Jens Stegmaier.

Tendenziell würden große Unternehmen aber eher die Schaffung regulärer Beschäftigungsverhältnisse anstreben. Minijobs kämen vielfach dort zum Einsatz, wo andernfalls gar keine Jobs entstehen würden, etwa in Kleinbetrieben. Außerdem nützen viele Existenzgründer die Chance, ihre Unternehmen aufzubauen, während der Minijob ihnen ein Mindestmaß an sozialversicherungsrechtlicher Absicherung bietet.

Was Beschäftigten, die einen Minijob in Vollzeit ausübten, klar sein muss, ist, dass ihnen später Altersarmut droht, weil sie nur eine geringe Rente zu erwarten hätten. Das IAB schreibt aber auch, dass die geringfügige Beschäftigung für Arbeitslose eine Chance darstelle. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Minijobs den Übergang ins Erwerbsleben nach längerer Arbeitslosigkeit erleichterten.

Zum 1. Januar 2013 hat die schwarz-gelbe Bundesregierung die steuerfreie Einkommensgrenze auf 450 Euro angehoben.