Mit Fotografien engagiert sich der Fotograf Murat Germen für den Schutz von Flüssen in der Türkei.
Mit Fotografien engagiert sich der Fotograf Murat Germen für den Schutz von Flüssen in der Türkei.

Die hunderten Kraftwerke, die an den Flüssen der Türkei gebaut werden, sind ein heiß diskutiertes Thema. Sie stellen eine Gefahr für das gesamte Ökosystem dar. In seiner Ausstellung „5%“ in der Istanbuler Milli Reasürans-Kunstgalerie befasst sich Murat Germen mit den Wasserkraftprojekten in der Türkei.

Die Ausstellung befasst sich mit dem Ausmaß der Wasserkraftprojekte auf der ganzen Welt. Als Fotograf, der sich stets für Angelegenheiten rund um den Umweltschutz interessierte, entschloss sich Germen dazu, sich auf das Thema zu konzentrieren. Ausschlaggebend war der Wassermangel in einigen Städten wie Istanbul, wie er sagt. Er reiste in Städte wie Artvin, Trabzon, Antalya und Diyarbakır, um sowohl die Schönheit der Natur als auch den Bauprozess der Dammprojekte zu dokumentieren.

Eines der wichtigsten Aspekte dieser Ausstellung ist, dass Germen seine künstlerische Selbstreflexion und seinen Fotografie-Stil beiseite legt, um zu vermeiden, dass die fotografische Qualität das Hauptthema überschattet. Sein einziges Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, sich auf das eigentliche Thema zu konzentrieren.

Elvan Tekcan, der Manager der Galerie, betonte, dass die Teilnahme der Besucher an der Ausstellung sehr wichtig sei. „Eine Atmosphäre zu kreieren, in der die Besucher mehr über ihre Rechte lernen, war eines der Ziele“, berichtet er. Das Publikum wird ebenfalls dazu ermutigt, seine Ideen über das Thema und die Fotografien zu äußern.

Mit Fotografien engagiert sich der Fotograf Murat Germen für den Schutz von Flüssen in der Türkei.

Minimaler Gewinn, extremer Verlust

„Um die Wirtschaft am Laufen zu halten, wurden in der Türkei entsetzlich viele Bauprojekte durchgeführt“, beklagt Germen. „Zudem werden zahlreiche Wasserkraftanlagen auf unberührten Gebieten gebaut mit der Ausrede, den Elektrizitätsbedarf des Landes zu decken. Recherchen zeigen, dass auf einer globalen Skala nur fünf Prozent des Bedarfs an Elektrizität durch diese Wasserkraftanlagen garantiert werden kann. Daher greifen immer mehr Länder zu einer Lösung durch Wind-und Sonnenwärmekraftwerken.“

Akgün İlhan, ein Aktivist, der sich für die „Recht nach Wasser“-Kampagne in der Türkei engagiert, benennt in dem Ausstellungskatalog die Verluste. Während die Gewinne aus den Wasserkraftanlagen minimal seien, sei der Verlust durch diese Projekte erheblich: Kollaps des lokalen Ökosystems, Verlust von fruchtbarem Boden, Zunahme der Wärme und Feuchtigkeit führen zu einer Verringung in der Massenströmungsrate des Wassers, Erhöhung von Methanemission, was ein Treibhausgas ist, Naturkatastrophen und Verlust von Erinnerungen sowie eine erzwungene Wanderung der Bevölkerung.

İlhan schreibt außerdem, dass die Flüsse der Türkei „gefesselt und erstickt werden“ für den Zweck von Energie, abgepacktem Wasser, industrieller Agrarkultur und um die steigende Nachfrage der Bauwirtschaft nach Wasser zu erfüllen.

„Unsere Becken erstarren. Das Recht nach Wasser aller Lebewesen und zukünftigen Generationen wird verweigert. Das Recht nach Wasser von Flüssen selbst wird verweigert. Die schlimmste Ungerechtigkeit ist, den Planeten zu versklaven. Je mehr Flüsse zu Dämmen und Wasserkraftanlagen erstickt und je mehr sie auf Pipelines und Tunneln begrenzt werden, umso mehr werden sie zum Tod führen.“