Der renommierte Unternehmensberater Roland Berger hatte bereits zum Jahresbeginn ausreichend Gründe genannt, um zumindest nicht pessimistisch ins Jahr 2015 zu gehen. „Es gibt keinen Grund zum Jammern“, erklärte Berger damals gegenüber der Deutschen Presse-Agentur in München.

Zwar würden die geopolitischen Krisen den deutschen Export belasten. Der schwächere Euro und der niedrige Ölpreis wären jedoch gerade eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Außerdem lobte er den Gründergeist, den Fortschritt, den die zunehmende Digitalisierung und die Energiewende brächten, und die faktische Vollbeschäftigung, die sich zu Gunsten der Beschäftigten auswirke, als Faktoren, die Deutschland auch im neuen Jahr voranbringen könnten.

Vom Optimismus Roland Bergers hat sich offenbar auch der Mittelstand in Deutschland anstecken lassen. Zwar bestünden immer noch Sorgen, aber die Ergebnisse einer Unternehmerbefragung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) lassen, so deren Präsident Mario Ohoven gegenüber dem „Handelsblatt“, ein gutes Jahr 2015 erwarten. Ohoven erwarte bis zu 150 000 neue Jobs im Mittelstand – wobei er die Bedingung davor setzt, dass die schwarz-rote Koalition „die Bedingungen für die Unternehmen zumindest nicht noch mehr verschlechtere“.

Allerdings herrsche noch Unsicherheit bei kleinen und mittleren Firmen. Diesen machten neben geopolitischen Krisen wie in der Ukraine und Deflationsgefahren im Euroraum auch hausgemachte Unwägbarkeiten wie die zusätzlichen Lasten durch den Mindestlohn Probleme.

Knappes Drittel will sogar expandieren

Gut 37 Prozent der deutschen Mittelständler rechnen der Umfrage zufolge mit steigenden Umsätzen im kommenden Jahr. Mehr als neunzig Prozent bewerteten ihre momentane Auftragslage immerhin als „befriedigend“ oder besser. Insgesamt ist die Stimmung allerdings uneinheitlich. Jeweils etwa die Hälfte erwarte den Ergebnissen der Umfrage zufolge einen Auf- oder Abschwung. Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen wolle zusätzliche Arbeitskräfte einstellen, 29 Prozent planen sogar zusätzliche Investitionen.

Mittelstand nicht wegen, sondern trotz der Bundespolitik erfolgreich

Die Zufriedenheit mit der Politik der Bundesregierung lässt allerdings zu wünschen übrig. Mehr als die Hälfte sehen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung skeptisch. Auch die Stimmung gegenüber dem geplanten europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen (TTIP) sei problematisch. Der Mittelstand hat vor allem den Eindruck – zumindest geben dies 80 Prozent der Befragten an -, die Bundesregierung berücksichtige in diesem Zusammenhang seine Belange nicht ausreichend.

Die staatliche Förderbank KfW geht hingegen nur von einem Wachstum von einem Prozent im Jahr 2015 aus nach den knapp 1,5 Prozent im Vorjahr. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner rechnet zwar ebenfalls mit mehr Geld für die Verbraucher infolge der niedrigeren Rohstoffpreise und einer Belebung der Exportwirtschaft durch den sinkenden Eurokurs. Die Russlandkrise, die Probleme in der Eurozone und die instabilen Finanzmärkte schafften gleichzeitig jedoch ein erhebliches Enttäuschungs- und Verunsicherungspotenzial.